Fetti und das Raubtiergehege

Zum Anfang werfen wir mal einen Blick ins Raubtiergehege, also die kleine aber feine Ansammlung fleischfressender Pflanzen (Carnivoren). Ich habe mit Freude festgestellt, dass das Fettkraut sogar wieder blüht. Wie kann man eine Pflanze nur Fettkraut nennen? Ich nenne sie liebevoll „Fetti“. Dass sie trotz der Beleidigung noch blüht, grenzt an ein Wunder.

          

Fettis Mitbewohner sind eine Kannenpflanze, eine Schlauchpflanze, eine Venusfliegenfalle und ein paar kleine, frisch ausgesäte Sonnentaupflänzchen. Mein Freund sagt, es ist klebriges Moos, aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Samen tatsächlich gekeimt haben. Von allen in unserer Wohnung beheimateten Pflanzen sind die quasi „die Coolen“. Die Gang in da house. Sie haben ein eigenes kleines Gewächshaus inklusive Tageslichtlampe und ein Ego, das bis zum nächsten Fensterbrett reicht. Ich habe jahrelang Carnivoren beim Sterben zugeschaut, bis ich auf die Ideen kam, es doch mal mit einer Tageslichtlampe zu probieren. Und siehe da: mit 5500 lux im Oberstübchen läuft die Sache endlich rund und sie blühen sogar.

Fetti ist insgeheim der Boss und mir ein treuer Freund im Fliegen vernichten. Klar, die Venusfliegenfalle (ich nenne sie mal Vicky) ist natürlich das Prinzesschen. Steht ganz vorn, wird von allen bewundert, aber auch gern mal angetatscht und muss ständig auf ihre schlanke Linie achten. Für die Klugscheißer unter uns: Damit eine Venusfliegenfalle eine Fliege erkennt und zuschnappt, müssen zwei der sechs Sinneshärchen an den Innenseiten der Falle innerhalb von 20 Sekunden berührt werden. Die Fliegen werden mit einem Gemisch aus über 60 Duftstoffen angelockt. Soll für so eine Fliege angeblich nach Obst und Blumen riechen. Da ich keine Fliege bin, rieche ich leider nur feuchte Erde.

 

Die Schlauchpflanze („Silas“) links im Gewächshaus ist der Kopf der Bewegung und sieht immer ein bisschen grantig aus. Ich habe das Gefühl, dass mich jeder dieser Schläuche vorwurfsvoll anschaut, wenn ich das Gewächshaus öffne, um zu gießen („Boa, echt jetzt? Schon wieder gekleckert? Alter…“). Ich bin mir auch nicht ganz sicher, warum sie immer ein bisschen angetrocknet aussieht. Normalerweise funktioniert es ganz gut, wenn man die Töpfe auf Untersetzer stellt und diese dann regelmäßig mit Wasser auffüllt. Vorsicht: Carnivoren sind sehr empfindlich gegenüber Kalk, man sollte also nur Regenwasser verwenden.

Die Kannenpflanze auf der anderen Seite ist eher so der Big Buddy. Mit anderen Worten: Die tut nix. Sie heißt also Kevin und hat normalerweise einen eher mäßig intelligenten Gesichtsausdruck.

 

Und, der Sonnentau…nun ja, ist noch zu klein, um Charakterstärke zu zeigen. Freut sich über Wasser. Ich habe ihn vor ein paar Wochen ausgesät und es war eigentlich nur ein Experiment am Rande. Es grenzt an ein Wunder, dass die Samen in normaler Anzuchterde gekeimt haben, denn eigentlich verlangt die Gang ein Substrat aus ungedüngtem Weißtorf, Blähton, Quarzsand und evtl. Kokosfasern. Ganz unkompliziert. Notfalls geht aber auch Orchideenerde. Es ist also ein verdammt hartnäckiges Kerlchen, das da wächst. Ich glaube, ich taufe ihn auf den Namen „Harry Potter“ – der Junge, der überlebt hat.

                

Mein Plan ist es, die Gang in ein großes Terrarium zu pflanzen. So richtig schicki micki mit Moos und Holz. Denn vor allem Kevin, der langsam zum Stiernacken mutiert, stößt in dem kleinen Glaskasten an seine Grenzen. Und ich möchte nicht, dass er anfängt, die anderen zu terrorisieren. Er ist doch so ein Lieber.

 

2 thoughts on “Fetti und das Raubtiergehege

  1. 😀 Ich lach mich schlapp..
    „Er ist doch so ein Lieber..“ Hauptsache Kevin und sein Stiernacken verlaufen sich aus lauter Langeweile und Frust über den zu eng gewordenen Raum, nicht auf die nächste Pegida-Demo. 😉

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