Palmen im Stress

Hey ho, da sind wir wieder! Das Jahr 2021 begann für uns mit einigen Veränderungen – zu allererst stand ein Umzug an; wir haben unsere Zelte in Bremerhaven abgebrochen und sind nach Rostock gezogen. Und nein, ein Umzug mit einem Wohnzimmerdschungel ist im Winter nur bedingt spaßig.

Es war auch vollkommen klar, dass wir uns die mit Abstand kältesten, schneereichsten Tage im Februar für einen Umzug aussuchen würden. Was wiederum die Frage aufwirft, wie man mit frostempfindlichen Palmen umgeht. Wir haben ein Umzugsunternehmen in Anspruch genommen und mussten einen Tag für das Packen in Bremerhaven, einen Tag auf der Autobahn und wiederum einen Tag für das Auspacken in Rostock einplanen. Mit anderen Worten: unsere tropischen Freunde würden höchstwahrscheinlich drei Tage bei ca. -10°C ausharren müssen.

Alle kleineren Exemplare, die bis dato die Fensterbretter besiedelt haben, haben wir schon vorab nach und nach mit dem PKW in die neue Wohnung transportiert. Zugegebenermaßen hatte ich wenig Lust, mir ein Transport- und Verpackungskonzept für eine ca. 4m lange, den kompletten Fensterrahmen umrankende Efeutute zu überlegen. Vorab haben ALLE nochmal eine komplette Nützlingskur verordnet bekommen, denn wenn man sich auf der Rückbank eines Autos doch etwas näher kommt, könnte sich die ein oder andere Schmierlaus motiviert fühlen und das Territorium ausweiten. Soweit, so problemlos. Der Schwertfarn rieselte vor lauter Angst den Kofferraum voll.

Aber natürlich haben wir noch einige größere Vertreter, wie die Yucca oder die Bergpalme. Einige Yucca-Arten sind winterhart, aber ob es nun auch das Exemplar in unserem Arbeitszimmer war, wollte ich nicht austesten. Es musste also fachmännisch verpackt werden. Folgende Taktik: soweit es möglich war, wurden alle Blätter mit Frischhaltefolie nach oben zusammengebunden, einfach um zu verhindern, dass herunterhängende Blätter beim Transport abknickten. Hat man die sägezahnbestückten Blätter der Yucca erfolgreich nach oben gebunden, sehen die Arme auch aus als hätte man versucht, dem Kater eine Wurmkur zu verpassen. Es folgten mehrere Lagen Luftpolsterfolie, wobei ich hier meine gesamte Selbstbeherrschung aufbringen musste, sonst wäre nach dem Verpacken nämlich keine Luft mehr in der Folie gewesen.

Gut verpackt ist halb gewonnen. Eine Yucca auf Reisen.

Ganz wichtig auch: man sollte die Pflanzen ein paar Tage vorher nicht mehr gießen, denn a) ist es nicht notwendig, die Kübel noch schwerer zu machen und b) kann es bei sehr feuchtem Substrat und einem Umzug im Winter auch zu Frostschäden im Wurzelbereich kommen.

Zugegebenermaßen hat unser Raumwunder-Pflanzenständer für einige irritierte Blicke gesorgt und wurde zuerst als ein besonders stabiler Kratzbaum verkannt (für’n Tiger oder so…).

Sind die Pflanzen in der neuen Heimat angekommen, sollte man sie zunächst kühl stellen und die Verpackung entfernen, damit sich alle langsam an die Zimmertemperatur gewöhnen können. Haben wir gemacht und es gab trotzdem lange Gesichter. Die Pflanzen sahen aus wie ich, wenn mich Montagmorgen der Wecker aus dem Tiefschlaf reißt und ich kurz vorher noch ein Fantasyepos mit ungutem Ausgang erträumt habe und mein Gesicht eine Kontinentalverschiebung erfahren hat.

Es gab also ein paar Kollateralschäden, aber mittlerweile hat hier jeder wieder sein Plätzchen auf dem Fensterbrett gefunden. Allgemeines Fazit: Die Bewohner des Terrariums tun, als wäre nix gewesen, frostige Temperaturen machen ihnen offensichtlich nicht das Geringste aus. Auch Yucca, Bergpalme und die Zamioculcas zeigen sich unbeeindruckt. Dafür ist alles, was auch nur im entferntesten auf den Namen Drachenbaum hört, in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Ihre Blätter wurden schwarz und sie sind förmlich in sich zusammengefallen.

Wir ziehen jedenfalls nur noch im Frühling um.

Man wartet halt.

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