Schmuckstück

Es ist passiert. Wir haben den Urtypus des Spießers in uns entdeckt und einen Kleingarten angeschafft. Wir haben quasi expandiert. In unserer neuen Wohnung haben wir tatsächlich ein Fenster weniger und auch der Balkon ist ein bisschen kleiner und irgendwie ist das Ganze dann wieder eskaliert.

Jetzt gibt es also einen Kleingarten, der mit seinen 500m² eigentlich gar nicht so klein ist. Ein Groß-Kleingarten also. Wortwitz. Wir haben ihn von einem Paar übernommen, für das der Aufwand aus gesundheitlichen Gründen im Alter schlichtweg zu groß wurde. Die eine oder andere Träne wird da verständlicherweise geflossen sein und wir hoffen, dass wir als würdige Nachfolger den gepflegten Zustand aufrechterhalten können. Praktischerweise liegt der Garten auf meinem Weg zur Arbeit, so kann ich dieses schöne Fleckchen Erde zum Feierabend direkt ansteuern, mich in die Schlabberklamotten werfen und im Unkrauthain abreagieren.

Zunächst einmal ist jedoch ein großes Umgestalten angesagt, denn es gibt da doch so ein paar Dinge, die wir (generationsbedingt?) da nicht haben müssen. Dazu gehören die Wegabgrenzungen, die aus perfekt gestutzten, niedrigen Buchshecken bestehen, in denen wohl schon mehrere Buchsbaumzünsler-Großveranstaltungen stattgefunden haben. In den zentralen Bereichen der Hecke ist das Vier-Sterne-All-Inclusive-Zünsler-Resort schon ziemlich zerfressen und zur Absteige degradiert und wohl nur noch für Durchreisende interessant. Also raus damit.

Dann gibt es da noch die Rosen. Und Lavendel. Und Hortensien. Ich habe erstmal grundsätzlich nichts gegen diese drei Arten, aber ein Fan bin ich davon auch nicht. In unserem Fall gibt es nur einfach sehr viele davon. Teilweise bin ich dazu übergegangen, einzelne Exemplare durch andere Stauden zu ersetzen und die Rosen/Hortensien/Lavendel-Kandidaten in die Schäm-dich-Ecke neben dem Komposthaufen zu pflanzen. In der Hoffnung, dass sie dort zwar wieder anwachsen, aber sich nicht mehr ganz so in den Fokus drängen. Die kleinen Wacholder haben sich schon dazugesellt.

Dann sind da noch die Stauden, die sich noch nicht identifizieren lassen, da sich bisher nur ein paar erste Triebe ans Licht wagen, von denen ich aber jetzt schon weiß, dass sie auch in sehr großer Anzahl vorhanden sind. Nun ja, ich packe einfach unsere Auswahl dazu und schaue, was am Ende herauskommt.

Und, ach ja, die Gräser. An sich auch nicht schlecht, aber ich habe das Gefühl, dass wir sehr viel Aufwand betreiben müssen, um sie an Ort und Stelle zu halten. Unsere Vertreter wachsen in Horsten (ja, es heißt tatsächlich so). Und Horst ist eine Entdeckernatur. Horst schickt erst einmal ein aufmüpfiges Grashälmchen voran, welches sich dann zehnmal auf dem Weg plattlatschen lassen muss, bevor Horst dann mit sich übereinkommt, dass es doch besser ist, einfach gleich den ganzen Weg zu überwuchern. Da bekommt sogar der Giersch kalte Füße, denn mit einem Horst ist nicht zu spaßen.

Wenn wir uns gerade nicht mit Horst befassen, graben wir fleißig um und erweitern die Anbaufläche ein wenig. Oder kämpfen gegen Windmühlen, äh Unkraut.

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