Pflanzen, die keiner haben will

In unserem Garten gibt es einen so richtig ausbreitungsfreudigen Zeitgenossen, noch schlimmer als Gräser-Horst. Und das ist Bernie. Bernie, der Bambus, der Grabscher unter den Grasartigen. Befragt man Dr. Google zu einer Diagnose in Sachen Bambus, taucht als eine der ersten Fragen folgende auf: Welcher Bambus braucht keine Wurzelsperre? Und hat man auch schon den Finger in die Wunde gelegt, denn so wie es aussieht und wie Bernie in unserem Garten herumscharwenzelt, ist er noch komplett jung, ungebunden und wurzelsperrefrei.

 

Klein-Bernie auf Wanderschaft

Als wir den Garten übernommen haben, freuten wir uns in unserer grenzenlosen Naivität noch über den wunderbaren Sichtschutz, dessen Zweige so schön sanft im Wind wehten und dachten auch über einen Zweit-Bambus nach. Zumindest bis ich entdeckt habe, dass Bernie voll auf die Magnolie abfährt und die ersten kleinen, anzüglichen Ausläufer direkt neben ihrem Stamm auftauchten. In diesem Moment muss man sich eine gewisse Hilflosigkeit eingestehen, denn mehr als abknipsen kann man sie nicht. Außer man will mal eben tiefe Meliorationsarbeiten durchführen und fix die Magnolie ausgraben. Schade, dass in unserem Garten keine Tierhaltung erlaubt ist, ansonsten würden wir über die Anschaffung eines Bambusbjörn (isländ. Panda) nachdenken.

 

Und sonst so? In einer wenig beachteten Ecke direkt am Zaun des Nachbarn findet sich noch ein kleiner, mit Steinen eingefasster Halbkreis mit – ja was eigentlich? Von Weiten sieht es so aus, als hätte sich jemand wirklich Mühe gegeben und dem Unkraut einen schönen Rückzugsort eingerahmt. Tritt man etwas näher, sieht man: ok, es ist Minze (wir erinnern uns – sie ist unerschütterlich, egal an welchem Standort). Als ich mir das Beet vornahm und es von allem Unliebsamen befreien wollte, verspürte ich gleich ein durchdringendes Stechen in der Leber.  Ich dachte an all die Mojitos, die uns dieses Beet bescheren würde. Nebst Minze wächst dort nur noch Giersch und Löwenzahn, also alles in allem eine wirklich gelungene Mischung der penetrantesten Zeitgenossen, die man im Garten so finden kann. Man hat sich was dabei gedacht. Ich habe mir ein einziges (und letztes) Mal die Mühe gemacht, alles außer der Minze ins Nirwana zu schicken. Der Halbkreis sieht jetzt aus der Ferne sauber aus, ich weiß allerdings, dass ich aufgrund der unzähligen Ausläufer und tiefen Wurzeln trotzdem gescheitert bin. Ich glaube, das nächste Mal macht es weniger Arbeit, wenn ich einfach alles bis auf die untersten Gesteinsschichten aushebe und zubetoniere. In diesem Moment waren mir all die anderen Unkräuter doch lieber.

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