Freimarkt Freunde

Was ich erstmal grundsätzlich nicht mag, sind große Menschenansammlungen, in denen die Leute dicht gedrängt und voller guter Laune umherwabern. Ich hasse Spaß.

Dennoch ist für jeden Bremer und Möchtegern-Bremer der alljährliche Freimarkt Pflicht. So auch für mich. Was das Ganze erträglich macht, sind in erster Linie die doch relativ breit angelegten Wege zwischen den einzelnen Ständen und die nordische Mentalität, die sich darin zeigt, dass es trotz des Novemberwetters immer noch mehr kalte als heiße Getränke gibt. Mein Lieblingsplatz war genau an der Wildwasserbahn – da hat man zwar einen nassen, aber immerhin auch einen freien Rücken.

Meine Stimmung hebte sich ungewollt, als wir an einem Stand vorbei kamen, an dem Lose verkauft wurden – und Pflanzen zu gewinnen waren. Beim Auswickeln der Lose versuchte ich vergeblich ein Lächeln zu unterdrücken und in meinem Kopf gestaltete ich meine Fensterbretter um, sodass die Zwei-Meter-Palme, die ich gleich gewinnen würde, auch ihren Platz findet. Nun ja, am Ende konnten wir uns einen kleinen Kaktus aussuchen und mein neues Fensterbrettkonzept war hinfällig. Ich weiß nicht, was es für ein Kaktus ist, aber die Pflanze strahlt Persönlichkeit aus, also nannten wir sie Kiki. Kiki piekste fortan durch meine Jackentasche.

Das Unglück nahm seinen Lauf, als wir an einer zweiten Pflanzen-Los-Bude vorbeikamen. Angestachelt durch den Erfolg (und Kiki in der Tasche) kauften wir jetzt gleich zweimal Lose, doch es reichte wieder nicht für die Riesenpalme. Schließlich konnte mir dann aber eine Pflanze für wesentlich mehr Punkte aussuchen, als meine Lose hergegeben hätten. Der Verkäufer hat wohl reihum die feuchten Augen gesehen und meinte, es läge am Zauberpulver. Außerdem hätte ich die Haare schön. Ja ne, is klar. Anmerkung: im Bremer Nieselregen hat NIEMAND die Haare schön. Ich war beim Aussuchen dann doch ganz aufgeregt und die kleinen Kaktusstacheln bohrten sich vor lauter Eifersucht noch etwas tiefer in meine Hüfte. Mit ein wenig Überzeugungskraft seitens des Verkäufers fiel unsere Wahl dann auf Marvin, die Madagaskarpalme. Ich erinnerte mich, dass ich damals im Kinderzimmer schon einmal so ein Exemplar eingehen ließ. Es ist wohl Schicksal, dass ich jetzt eine zweite Chance bekomme. Ich trug sie nach Hause, als wäre es mein Erstgeborener und konnte förmlich die neidischen, alkoholvernebelten Blicke der Passanten spüren.

Da Marvin volle Sonne liebt und es auch untenrum warm mag, hat er direkt den Platz an der Heizung Richtung Südwesten bekommen.

Auf dem Freimarkt findet man eben doch Freunde.

Marvin, Kiki und eine goldene Palme mit Teelicht, die das Bild auflockern soll

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