Vom Fensterbrett zur Weltherrschaft

Es gibt noch eine Vertreterin, die in der Riege der Zimmerpflanzenklassiker fehlt, jedoch im Büro so produktiv ist, dass sie sich eine separate Würdigung an dieser Stelle verdient hat.

Natürlich, die Grünlilie. Sie versucht, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen und wenn das Styling dann auch noch stimmen soll, steht sie regelmäßig kurz vorm Burnout.

An sich ist es eine sehr nützliche Pflanze: sie ist unglaublich pflegeleicht, hat eine luftreinigende Wirkung und lässt sich sehr leicht vermehren. Genau das ist auch der Haken. Sie vermehrt sich auch, wenn man absolut keine Ableger mehr sehen kann. In regelmäßigen Abständen wächst dann ein kleiner Zweig hervor, an dem kleine weiße Blüten und die ein oder andere Babygrünlilie (sog. Kindeln) zu finden sind. Ich habe von einem Freund mal sechs kleine Ableger geschenkt bekommen und habe erwartet, dass davon mindestens drei eingehen, aber Pustekuchen. Diese sechs Pflanzen bringen regelmäßig immer noch bis zu vierzig Ableger hervor. So, wie ich andere Pflanzen nach Läusen absuche, suche ich bei der Grünlilie nach Ablegern. Die sieht man leider auch erst im letzten Moment. Man kann sie einpflanzen, wenn sie ca. 5cm groß sind; meist bilden sie dann auch schon kleine Wurzeln aus. Ich verschenke sie auch weiter, weil ich es nicht über’s Herz bringe, sie alle wegzuwerfen. Es ist wie früher in der Grundschule, wenn man Kettenbriefe weiterleiten musste oder einen Brotteig über Jahre weiterzüchten sollte. Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine sozialen Kontakte unter den Wachstumsschüben der Pflanzen leiden, weil keiner mehr Babypflanzen aufgedrückt bekommen will.

Ich bin davon überzeugt, dass Grünlilien irgendwann die Weltherrschaft übernehmen werden. Mittlerweile steht bei uns in jedem Zimmer mindestens eine und obwohl sie immer die eher ungünstigen, also dunklen und zugigen Standorte zugewiesen bekommt, wachsen die Ableger wie Unkraut. Ich habe es sogar aufgegeben, ihnen Namen zu verpassen, es sind einfach zu viele, um sie sich dauerhaft zu merken. Gleichzeitig kann ich ihnen auch kaum herausstechende Charaktereigenschaften zuweisen. Sie sind halt einfach da und warten auf ihren großen Moment. Ein bisschen simpel, aber immer bereit. Ich glaube, in meinem nächsten Leben sollte ich auch Grünlilie werden.

2 thoughts on “Vom Fensterbrett zur Weltherrschaft

  1. Ich glaube, ich könnte ein Töpfchen bei uns im Büro aufstellen. Meine Babys haben nämlich noch keine Babys. Und in der Hoffnung, dass die Produktivität der Grünlilie dann auch auf mich überspringt und ich nicht mehr witzige Blogs im Büro lese, um die Zeit zu vertreiben 😉

    1. Ich muss nur die Anzahl der Fensterbretter wissen, die Menge an Grünlilien legt dann der hauseigene Vertrieb fest. Die Kundin hat kein Mitspracherecht 😉

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