Unbekannte Zeitgenossen

Wenn auch etwas verspätet, gebe ich an dieser Stelle mal ein „Frohes Neues!“ in die Runde. Eigentlich müsste man die an Gärtner gerichteten Wünsche im März noch einmal wiederholen, denn dann geht das Gartenjahr ja erst richtig los. Aber egal, ich richte mich hier nach den allgemeinen Konventionen. An dieser Stelle auch ein positives Bild:

Sehr schön, das war’s auch schon. Nun zum Eigentlichen:

Ich streife öfters durch die Regale im Baumarkt und habe keinerlei Intention, eine Pflanze zu kaufen. Und dann kommt der Aufsteller mit den Mini-Pflanzen. Also die, die sehr niedlich aussehen und für 1 bis 2€ zu haben sind. Wenn ich Kinder und Hundewelpen sehe, habe ich jetzt nicht unbedingt ein Knuddel-Bedürfnis, aber Pflanzen wahren genug Abstand, sodass ich sie als niedlich empfinden kann. Meist ploppt dann in meinem Kopf ein „Oh, für den kleinen Topf habe ich auch noch irgendwo Platz…“ auf und bedenke dabei nicht, dass die Töpfe im Baumarkt ja meist von vornherein zu klein sind. So haben auch diese beiden Kandidaten ihren Weg zu mir gefunden:

Mittlerweile sind sie schon ein bisschen gewachsen, jedoch weiß ich immer noch nicht, um welche Arten es sich hier handelt. Einer ist der Kopf, der andere die Faust und zusammen sind sie in dekorativer Hinsicht unschlagbar. Allerdings sehen auch diese beiden aus wie Ableger von etwas, das einmal sehr groß werden kann. Man kann ihnen auch keine ordentlichen Namen geben, wenn die Art gänzlich unbekannt ist. Und sie sind nicht die einzigen:

Ich habe keine Ahnung, was das für eine Pflanze ist. Vielleicht irgendeine Fettpflanze? Ich habe sie gekauft, weil sie aussah wie Minion-Haare. Ca. 3cm groß, niedlich, harmlos und ich habe ihr zugegebenermaßen keine allzu große Aufmerksamkeit geschenkt. Da ich für den doch sehr kleinen Topf gerade keinen Untersetzer zur Hand hatte, aber dennoch Wasser grundsätzlich daneben kippte, habe ich sie einfach in den Topf von meinem doch wesentlich größeren Drachenbaum gestellt. Was wiederum zur Folge hatte, dass ich sie noch weniger beachtete. Gefühlt innerhalb weniger Tage wuchs sie dann auf die doppelte Größe an und war bereits im Topf vom Drachenbaum angewachsen. Damit sie nicht einfach nur in die Höhe schoss, habe ich die Spitze oben abgeknipst, in der Hoffnung, dass sie sich dann verzweigt. Macht sie jetzt auch. Und wieder viel schneller und motivierter als erwartet. Das Ding (ja, nicht mehr „sie“, sondern „das Ding“) steht im Schlafzimmer und ich habe die Befürchtung, dass ich irgendwann aufwache und die Wurzeln dann bereits neben dem Bett wuchern oder schlimmer noch, dass ich mit Zweigen ans Bett gefesselt bin. Das ist die unangenehme Variante. Die angenehme wäre, dass die Pflanzen aus dem Zimmer herauswächst und früh schon mal Kaffee macht. Oder Bier holt. Ich werde mich jetzt auf jeden Fall ganz liebevoll um sie kümmern, damit da keine negativen Gefühle entstehen und ich mir keine Psychopathenpflanze heranziehe, die in ihren Untersetzer nässt und am Ende die anderen terrorisiert.

Dieser unbekannte Zeitgenosse steht normalerweise auf dem Balkon, aber egal, wo man ihn hinstellt, der Hintergrund fällt immer mehr auf als die Pflanze selbst.

Keine Schönheit, aber er schlägt mit einer gewissen Charakterstärke zu Buche. Ich habe ihn trotz frostiger Nächte auf dem Balkon gelassen und hoffte, dass die Evolution ihm den Rest gibt, aber im Gegenteil, das Ding wächst immer noch weiter. Ich habe mir sagen lassen, dass die Pflanze nach Jahren irgendwann gelb blühen und dann absterben soll, habe aber das Gefühl, dass sie mich überleben wird.

Mittlerweile zeige ich ein gewisses Misstrauen gegenüber allen Pflanzen, bei denen zwischen Niedlichkeit und Verholzung nur wenige Wochen liegen.

2 thoughts on “Unbekannte Zeitgenossen

  1. 😀 … und ich schlafe in der Dusche, weil die Dusche zu mir hält.. und wahrscheinlich in deinem Fall, weil dort noch keine heimtückischen grünen Slayer stehen. 😉

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