Blumen für Bremerhaven

In Großstädten wird es mitunter zum Trend, Guerilla Gardening zu betreiben, das heißt, man lässt seine Bepflanzungswut an öffentlichen Brachflächen aus. Guerilla deshalb, weil es TIERISCH VERBOTEN ist, ohne Anordnung des städtischen Gartenbauamtes auch nur einen Grashalm umzusetzen. Lustigerweise beschwert sich normalerweise niemand, wenn ein paar zusätzliche Blühpflanzen die brachliegenden Flächen, Seitenstreifen oder Baumumrandungen bevölkern. Natürlich sollte man dabei darauf achten, dass man sowohl einheimische als auch bienenfreundliche Arten dort aussetzt. Die ganz Harten pflanzen auf den öffentlichen Flächen auch Gemüse an, obwohl man natürlich bedenken muss, dass da wesentlich mehr Aufwand nötig und man gegebenenfalls bei der Ernte nicht dabei ist. Sucht man sich ein Plätzchen nahe der Hundewiese, ist zumindest für eine regelmäßige Düngung gesorgt. Geschieht das Ganze mit einer Genehmigung, spricht man übrigens von urban gardening. Klingt doch gleich viel professioneller, eloquenter, zukunftsorientierter, Blogger-tauglicher…

Nun ist Bremerhaven keine Großstadt, aber mein inneres Trend-Abwehr-System hat kurz versagt und ich als verkappte Möchtegern-Imkerin muss da einfach mitmachen und den Bremerhavener Bienen einen kleinen Motivationsschub für das Frühjahr verpassen. Wie geht man als Guerilla Gärtner also vor? Im Grunde braucht man nur etwas Tonerde, Wasser und ein paar Samen seiner Wahl. Und der Anonymität wegen eventuell einen schwarzen Strumpf, in den man dann Löcher für Augen und Mund schneidet. Alles bis auf den Strumpf wird miteinander zu einer Pampe vermischt und zu kleinen Kugeln geformt. In meinem Fall habe ich ein Tütchen voller Samen von gängigen Blütenpflanzen untergemischt, die einem normalerweise am Wegesrand begegnen. Im Wesentlichen endet es damit, dass man mit den Händen im Matsch selig grinsend warme Kindheitserinnerungen wieder aufleben lässt. Backe, backe Kuchen und so. Diese detonationsfreudigen Samenbomben lässt man dann am besten auf einem Stück Backpapier trocknen, da sich Tonerde in den kleinen Ritzen der Tastatur als besonders widerstandsfähig erweist.

Ich hatte spontan keine Tonerde zuhause, aber noch einen kleinen Rest Pulver in einer Packung für Heilerde-Gesichtsmasken. Das mit den Masken habe ich aufgegeben, wahrscheinlich müsste ich mich komplett ins Moor stürzen, um positive Effekte wahrzunehmen. Das Pulver war also perfekt geeignet für meine Mission. Da die Kugeln nach dem Trocknen sehr leicht zerbröseln, muss man beim Transport entsprechend aufpassen. Nachdem ich die Erfahrung von Tonerde in den Jackentaschen gemacht habe, bewahre sie jetzt auch immer in einem extra Beutel auf.

Natürlich würde ich nie etwas Verbotenes tun, aber es kann ja sein, dass mir die ein oder andere Kugel auf dem Weg zur Arbeit aus der Tasche fällt. Und vielleicht fällt ein bisschen was aus meiner Wasserflasche hinterher. Komisch, bei Plastikabfällen passiert mir das nie.

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