Raubmilben

Deutlich sichtbar an den gelb punktierten Blättern: der Spinnmilbenbefall des Zitronenbäumchens

Es ist etwas Furchtbares passiert. Mir ist das Chiliöl ausgegangen und ich habe das Gefühl, die Spinnmilben kehren zurück. In meinen Albträumen sind sie ca. 10cm lang haben sie schon unsere Couch angeknabbert. Ich muss mir also unbedingt neue Wege zur Bekämpfung dieser kleinen Biester einfallen lassen. Da ich kein Fan davon bin, in unserer Wohnung die Chemiekeule zu schwingen bis auch meine bessere Hälfte irgendwann anfängt, im Dunkeln zu leuchten (der Arme macht pflanzentechnisch eh schon viel mit), bin ich auf das Konzept der Schädlingsbekämpfung durch Nützlinge aufmerksam geworden. Im Klartext heißt das, man identifiziert die Quälgeister, wählt dann ganz gezielt einen ihrer natürlichen Fressfeinde und setzt diese dann auf den betroffenen Pflanzen aus. Beliebt sind da beispielsweise auch Nematoden, mit denen Obstmaden bekämpft werden können. In meinem Fall brauche ich Raubmilben. Das klingt für mich schon vielversprechend. Ich bestellte also eine Packung Raubmilben. Was mich zugegebenermaßen verunsichert hat: eine Packung? Sind das nur die Eier? Oder leben die schon und ich muss aufpassen, dass die mir beim Öffnen der Packung nicht abhauen? Wie schnell krabbelt so eine Raubmilbe? Versendet wird per Briefpost zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt, aber nur bei über 5°C. Klar, bei zu niedrigen Temperaturen verkühlt sich auch eine Raubmilbe mal die Nierchen. Mein innerer Hamster wiederum fragt sich jetzt, ob man das dann auch im Vorteilspack bekommt, denn gerade wenn es sehr kalt draußen ist und drinnen die Heizung die Luft kontinuierlich austrocknet, fühlen sich Spinnmilben ja besonders wohl.

Eine Box voller Sägespäne. Nun gut.

Geliefert wurden die Schädlingsbekämpfer in einer kleinen Plastikbox, die zunächst scheinbar nur Sägespäne enthielt. Man sollte die Box ein paar Minuten stehen lassen, dann kann man laut Packungsbeilage die ca. 0,5mm großen, leuchtend orangenen Tierchen am Boden herumkrabbeln sehen. Ich sah natürlich nix, wollte das Vertrauen in die Sägespäne aber auch nicht vorzeitig über Bord werfen.

Um die Tierchen auf den Pflanzen auszusetzen, habe ich aus Küchenpapier kleine Trichter um die Stiele gebastelt und dort die Sägespäne reingestreut. Nach ca. drei Tagen sollten dann alle tapferen Krieger abgewandert sein und man kann das Küchenpapier entfernen. Da die Raubmilben, einmal auf der Erde angekommen, nicht mehr auf die Pflanzen zurückfinden, dürfen sie auf keinen Fall einfach so über den Pflanzen verstreut werden (Merke: Raubmilben nicht wie Konfetti behandeln!). Ich mache hier erst einmal einen Test mit den am schlimmsten gebeutelten Pflanzen, nämlich der Engelstrompete und den Zitronenbäumchen. Nach ca. vier Wochen sollten keine Spuren vom Spinnmilbenbefall mehr zu sehen sein. Ich hoffe allerdings, dass es für diese Maßnahme nicht schon zu spät ist, da die Packungsbeilage mir verraten hat, dass man die Raubmilben schon bei den ersten Anzeichen eines Befalls verwenden muss.

Die bestellte Menge sollte für 10m² Fläche in einem Gewächshaus reichen. Da unsere Wohnung ein Gewächshaus ist und die Pflanzenstandorte grob über den Daumen gepeilt 10m² ergeben, sehe ich hier alle Bedingungen als erfüllt an. Zusätzlich sollte man eine durchschnittliche Mindesttemperatur von 18°C und eine Luftfeuchte von über 60% garantieren. Jup. Passt. In meiner Vorstellung fege ich dann alle paar Tage die Kadaver zusammen, gebe dem Raubmilbenanführer morgens ein High-Five und gehe dann beruhigt zur Arbeit. Mentale Unterstützung bekommen die Raubmilben von der kleinen Spinne, die sich vor einigen Wochen im Olivenbaum eingenistet hat. Meine größte Errungenschaft bisher ist, dass ich sie genau dort gelassen hab und nicht in einer Phobie-Kurzschluss-Reaktion den Staubsauger gezückt und den Olivenbaum gleich mit weggesaugt hab. Sie fängt jetzt an, in Netz hinüber zur Vanille zu weben. Das Ganze findet im Schlafzimmer statt. Man wächst mit seinen Aufgaben. Vielleicht gibt es dann irgendwo in unserer Wohnung ein Nützlinge-Headquarter, wo Spinne und Raubmilben zusammen an einem runden Tisch Karten spielen und sich Geschichten über die guten alten Zeiten erzählen. Alle natürlich vom Kampf gezeichnet, mit Holzbein und Augenklappe, die Haudegen. Und auf ihren nächsten Einsatz warten.

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