Alle Jahre wieder

Richtig. Umtopfen. Und bei mir dieses Wochenende in Kombination mit einem ausgedehnten Frühjahrsputz, der Fenster und Fensterbretter miteinschloss. Meinen Plan, die Fenster erst wieder 2022 zu putzen, musste ich angesichts zunehmend eingeschränkter Sichtverhältnisse überdenken. Mittlerweile topfe ich aber nicht mehr jeden Kandidaten jedes Jahr um, sondern nur die dringenden Fälle. Der Rest ist alle zwei Jahre dran, sonst ufert das hier zu sehr aus.

Zu den dringenden Fällen gehört wie immer die Zamioculcas: Zac, das größere Exemplar, stand schon in meinem alten Kinderzimmer und es gab Jahre, da konnte ich vor lauter Wurzeln den Topf nur noch Stückchen für Stückchen wegschneiden. Und mit jedem neuen Topf, den ich anhebe, ziehe ich mir eine Muskelzerrung mehr zu. Ich bringe es aber auch nicht übers Herz, ihn so einfach zu stutzen.

Der Umtopf-Tag findet bei mir meist schon im März statt – einerseits beginnt da bei den meisten Pflanzen die Wachstumsphase, andererseits kann ich bei den folgenden größeren Töpfen gleich eine realistische Einschätzung zum Platzverbrauch abgeben, für den Fall, dass ich in der kommenden Saison von neuen Anschaffungen überrumpelt werde.

Wie läuft so ein Umtopf-Tag also ab? Ich mache morgens erst einmal eine Heerschau, räume die Fensterbretter leer und lege je nach benötigter Erde eine grobe Reihenfolge fest. Mit anderen Worten: zuerst die großen Palmen (und Zac) und wenn der Rücken dann richtig schmerzt, kann ich auch liegend oder wahlweise kriechend noch die Gummibäume bearbeiten. Das Umtopfen sollte auf dem Balkon stattfinden. Da der zwar groß, aber immer noch nicht groß genug ist, wird auch die angrenzende Küche vorsichtshalber mit Folie ausgelegt. Diese Folie erweist sich im weiteren Verlauf dann als völlig nutzlos, weil ich den Dreck so oder so in der ganzen Wohnung breitlatsche. Und so nehme ich mir dann eine nach der anderen vor. Es ist ein bisschen wie beim Plätzchen backen – beim ersten Blech hat man noch richtig Lust, jedes einzelne Teil aufwändig zu dekorieren, beim zehnten Blech würde man den Zuckerguss am liebsten nur noch über den restlichen, rohen Teig kippen. Wenn dann nach drei Stunden mein Knie zum wiederholten Mal auf einem kleinen Kügelchen Blähton landet und der Schmerz nach einer weiteren halben Stunde bis zur Erträglichkeit verklungen ist, fühlt man wie nach einem Marathonlauf nur noch eine Mischung aus Erschöpfung und Erhabenheit. Je nach Bedarf stelle ich dann stundenlang Erde, Kokosfasern, Sand und ebenjenen Blähton zusammen, wähle Töpfe oder bei Flachwurzlern auch Pflanzschalen, verpasse dem ein oder anderen noch einen neuen Schnitt und halte Trauerreden für jene, die den Winter nicht überlebt haben.

Ich stelle nach so einem Umtopf-Tag auch immer wieder fest, dass zwar die Durchmesser der Töpfe exponentiell zunehmen, die Fläche der Fensterbretter aber gleich bleibt. Komisch. An irgendeinem Punkt habe ich in Mathe wohl den Faden verloren. Immerhin kann ich mittlerweile meinen Bedarf an Erde, Töpfen, Untersetzern und Kletterhilfen einigermaßen kalkulieren. Nach jahrelangen Investitionen in Blumentöpfe kann ich jetzt auch nur noch tauschen und muss nur in seltenen Fällen ein paar extragroße besorgen. Generell sollte man ja beim Umtopfen einen etwa 20% größeren Topf nehmen – wenn er zu groß wird, konzentrieren sich unsere pflanzlichen Freunde eher auf das Wurzelwachstum, anstatt den Oberbau zu vergrößern (och schade…).

Dieses Mal habe ich auch gleich noch eine besondere Schutzmaßnahme getroffen: Da nach dem Umtopfen ja gerne mal vermehrt Trauermücken auftreten, habe ich gleich noch mit einer guten Ladung Nematoden, den natürlichen Fressfeinden der Trauermückenlarven, gegossen. Ich war von meiner Raubmilbenaktion schließlich so begeistert, dass ich jetzt generell auf biologische Schädlingsbekämpfung umgestiegen bin. Man rührt hierfür lediglich ein gelblich-weißes Pulver im Gießwasser an und gibt es zu den Pflanzen. Das Bananenweizen, was meine bessere Hälfte an dem Abend noch getrunken hat, sah komischerweise genauso aus…

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