Der Pikiertermin

Eigentlich war der Hintergedanke ja: ein kleiner Anzuchttopf für ein Samenkorn bzw. später dann eine kleine Pflanze. Ich habe mich natürlich nicht daran gehalten und ganze ZWEI Samen pro Topf verteilt. Mit dem Ergebnis, dass die Töpfe jetzt natürlich noch schneller zu klein werden, ich aber, wie im letzten Beitrag schon ausführlich breitgetreten, noch keinen Platz in den Hochbeeten habe. Ich muss die Pflanzen nun also pikieren. Warum heißt es eigentlich „pikieren“? Vielleicht, weil man durchaus das Recht hat, pikiert dreinzuschauen, wenn man unfreiwillig in der Wurzelgegend – also untenrum – frei gemacht wird? Für mich war „pikieren“ immer gleichbedeutend mit „vereinzeln“, doch ich habe mich belehren lassen und festgestellt, dass es da einen Unterschied gibt:

Pikieren bedeutet, dass Sämlinge aus EINER Anzuchtschale mittels eines Pikierstabes umgesetzt werden. Es dient dazu, die starke Konkurrenzsituation, in der die dicht gesäten Jungpflanzen stehen, zu entschärfen und ihnen ein optimales Wachstum zu ermöglichen. Es sind quasi Studenten, die nach dem Studium aus der WG ausziehen und dann merken, dass ihnen niemand mehr den Joghurt aus dem Kühlschrank klaut und sie pünktlich zur Arbeit kommen, weil keiner morgens das Bad blockiert.

Vereinzelt wiederum werden Sämlinge, die in einer Multitopfplatte gezogen wurden. Also ein Samen pro Vertiefung innerhalb einer Platte. Jedes Pflänzchen bekommt dann einen extra Topf. Multitopfplatte ist der Fachbegriff für meine mittlerweile labbrigen Pappschalen, die ich für die Anzucht der Gemüsepflanzen benutzt habe. Wenn der Bohnenkeimling groß genug ist, kommt zur Labbrigkeit noch ein Statikproblem hinzu und sie vereinzeln sich quasi selbstständig und ungewollt.

Vier kleine Melonen mit einer Versammlung von Andenbeeren

Da ich nun aber teilweise zwei Samen in eine Vertiefung gesteckt habe, muss ich jetzt pikieren und vereinzeln. Man sollte das in Angriff nehmen, wenn nach den Keimblättern die ersten „richtigen“ Blätter in Erscheinung treten. Ich habe nun einen Pikiertermin mit den Tomaten, den Chilis, den Melonen und auch den Mairübchen. Bei den Mairübchen bedingt durch mein übermotiviertes Schütteln der Samentüte. Wenn ich die dann niemandem andrehen kann, werden die übrigen wohl ins Rübchen-Walhalla eingehen müssen. Vielleicht kann ich ein paar unter den Nachbarn verteilen. „Guten Morgen, wie geht es Ihnen? Danke, dass sie mein Paket angenommen haben! Hier, bitte sehr, ein Mairübchenkeimling. Oder, ach, nehmen Sie 50…“

So, nun also die Melonen. Ich habe diesmal nur vier Pflanzen, da ich weiß, dass die Ranken bis zu 5m lang werden können und ich wieder die Gardienenstangen missbrauchen muss. Die bekommen auch gleich die erste Kletterhilfe. Also das Pflaster mit den Dinomotiven, wenn man beim Arzt bei der Spritze nicht geheult hat. Läuft.

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