Gut abgehangen

Mir wird die Sache mit den Frühblühern jetzt zu bunt. Die müssen raus aus dem Hochbeet. Ich hatte im Vorfeld schon alle verwelkten Blüten abgeknipst und das Gießen eingestellt, in der Hoffnung, dass sie dann irgendwann abtrocknen und ich die Blumenzwiebeln, pardon „Frühlingszwiebeln“, herausholen kann. Tun sie aber nicht. Sie sehen wie immer frisch und grün aus und ich fühle mich immer ein bisschen verarscht, wenn ich sie begutachte. Damit soll jetzt Schluss sein – ich möchte nicht, dass ein Hochbeet voller alter Hyazinthen mir meine gefühlten Unzulänglichkeiten vor Augen führt. Mein Plan ist es jetzt also, die Zwiebeln ungeachtet ihrer körperlichen Verfassung auszubuddeln, trocknen zu lassen und sie dann im Keller (Haben wir da eigentlich noch Platz?) bis zur nächsten Verwendung einzulagern. Ich kann mir jetzt schon das Gesicht meiner besseren Hälfte vorstellen, wenn er im Keller nach seinem Werkzeug sucht, dann eine Kiste voller Blumenzwiebeln findet und schließlich resigniert, weil die Reviermarkierung mittels Schraubzwinge, Säge und Co. auch nicht funktioniert hat.

Ich muss zugeben, dass Ausbuddeln hat Spaß gemacht. Die Zwiebeln habe ich jetzt mit dem verbleibenden Blättern zu einem dicken Strauß zusammengebunden. Sie sind tatsächlich noch ziemlich grün und ich hoffe, dass sie ordentlich abtrocknen und nicht anfangen zu schimmeln. Sie hängen jetzt geschützt vor Wind und Wetter unter den Hochbeeten. Ist auch eine kleine Drohung an die anderen Pflanzen: wer nicht ordentlich mitzieht, wird ausgegraben und muss dann ewig und drei Tage da abhängen.

Nun ist also der Weg frei für die Tomaten! Erstaunlicherweise passen nicht alle Pflanzen ins frei gewordene Hochbeet, lediglich drei Wildtomaten und die ein oder andere Möhre haben ihr neues Zuhause dort gefunden. Und ich freue mich, dass unser Balkon wieder um zwei große Töpfe reicher ist, denn die übrigen Pflanzen kann man ja nicht einfach so…na ja…am Küchenfenster stehen lassen.

Da wir ja so unglaublich schlau waren und die Hochbeete mit Rädern versehen haben, muss ich mir jetzt auch keine Gedanken um die Kalte Sophie machen, sondern kann alles einpflanzen und bei nächtlichen Temperaturen um den Gefrierpunkt die Beete einfach in die Wohnung rollen. Die Kalte Sophie bezeichnet laut Bauernregel den letzten Tag der Eisheiligen, die (mit kleinen Verschiebungen) vom 11. bis 15. Mai auftreten. Dies ist die Zeit, in der es nachts noch empfindlich kalt werden kann und Bodenfröste sowie Schnee in höheren Lagen möglich sind. Da nun aber die wenigsten Beete auf Rollen daher kommen, muss man die Eisheiligen vorbeiziehen lassen und kann dann erst die fette Party im Garten feiern. Ab Mitte Mai können also alle Sommerblumen gesät werden, denn von nun an sollte keine Frostgefahr mehr bestehen.

Die Eisheiligen sind quasi die natürliche Motivationsbremse, die den streberhaften Nachbarn davon abhalten, die Tomaten zu früh ins Freie zu setzen nur um dann später damit zu prahlen, dass die Tomaten ja dieses Jahr „voll früh reif wären…“

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