Geizende Tomaten

Auf unserem Balkon befindet sich mittlerweile eine klitzekleine Ansammlung von Tomatenpflanzen. Sie können ein wenig zickig sein, aber angesichts der perfekten Harmonie mit Olivenöl, Knoblauch und Käse seien ihnen diese kleinen Dreistigkeiten verziehen.

Damit sie ihre ungebrochene Herrschaft über die Hochbeete antreten können, müssen wir zunächst für eine aufrechte Haltung sorgen. Die meisten herkömmlichen Sorten sind Stabtomaten, d.h. man sollte sie hochbinden, um zu verhindern, dass der Haupttrieb die Last der Früchte irgendwann nicht mehr tragen kann. Ein Spiralstab sieht natürlich am professionellsten aus und ist stets geeignet für nachbarschaftliche Ich-hab-die-dicksten-…Tomaten-Vorführungen. Da ich aber bisher weder dicke Tomaten noch sensationsgierende Nachbarn auf unserem Balkon habe, reichen bei mir auch ein paar Bambusstäbe und Schnur bzw. diese kleinen grünen Dinger, mit denen man einzelne Zweige locker an den Stäben befestigen kann. Der Fachterminus für „kleiner grüner Pflanzenbefestiger“ ist mir spontan entfallen, so viel zum Thema Professionalität. Natürlich ist es eine blöde Idee, die gedrungenen, buschigen Sorten ebenfalls hochzubinden. Denn, nun ja, sie sind BUSCHIG. Bindet man sie trotzdem hoch, sehen sie irgendwann ebenso unproportional und deplatziert aus wie ein Konfirmand am großen Tag, aufgehängt in seinem nagelneuen, hohlraumschaffenden Anzug.

Ha! Da isser, der kleine grüne Pflanzenbefestiger. Und die Achsel des Bösen sieht hier noch ganz unschuldig aus…

Und noch etwas. Der beste hochgebundene Trieb kann seine Herrschaftsansprüche nicht lange verteidigen wenn ihm Nebenbuhler die Schau stehlen. Soll heißen: die meisten Sorten werden eintriebig gezogen, man sollte sie also ausgeizen. Die sogenannten Geiztriebe bilden sich in den Blattachseln und würden im Normalfall dazu führen, dass sich die Pflanze weiter verzweigt und Nebentriebe hervorbringt. Sie bilden quasi die Achsel des Bösen. Das regelmäßige Entfernen dieser Triebe, wortgewaltig auch als „ausgeizen“ (Fachterminus!!!) bekannt, fördert die Gesundheit des Haupttriebes und das Wachstum der Früchte. Zudem erhöht zu dichtes Laub die Feuchtigkeit zwischen den Zweigen und somit auch das Risiko für Pilzbefall. Wenn man also mal einen schlechten Tag hatte, sollte man sich abends den Tomaten widmen, denn es ist unglaublich entspannend, mit zwei Finger die kleinen Triebe anzuknipsen. Wenn der Tag allerdings richtig mies war, lässt man es lieber, sonst ist auch der Hauptrieb in Gefahr.

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