Ein paar Gedanken am Rande

Gelegentlich unternehme ich Streifzüge durch die Pflanzenwelt Instagrams, gebe von Zeit zu Zeit meinen Senf dazu und pflege meine Minderwertigkeitskomplexe. Ich bin fasziniert von den dort zur Schau gestellten, „durchdesignten“ und mit Pflanzen überwucherten Wohnungen.

Wie machen die das? Ich habe an mein Hobby zwei Ansprüche, ich muss a) in meiner Wohnung noch treten können und das alles b) neben einem Vollzeit-Job bewältigen. Diese Wohnungen sehen nicht danach aus, als würden sie diese Ansprüche erfüllen. Es reicht nicht mehr, einfach ein paar Blumen an die Fenster zu stellen, man mietet lieber ein Atelier und muss für jedes neue Foto ein Umzugsunternehmen beauftragen.

Pflanzen sind keine Design-Objekte, in erster Linie sind sie Lebewesen. Natürlich macht das Zusammenleben mit Ihnen unsere Wohnungen etwas bunter, lebendiger und ja, auch hübscher. Aber als Lebewesen stellen sie bestimmte Ansprüche an ihre Umgebung. Licht, Wasser, Nährstoffe. Gute Gespräche. Klar kann auch ein Limettenbaum ein paar Wochen mit weniger Licht auskommen, aber früher oder später ist er einfach unzufrieden mit der Gesamtsituation. Wie der Mensch – überleben kann er von Brot und Wasser, aber wenn die Stimmung gut werden soll, fügt man noch eine extra Schicht Käse, Rotwein und Schokolade hinzu. Ich möchte hier nicht die Pflanzenversteher-Kompetenzen anderer Menschen in Frage stellen, aber mal ehrlich: der Versuch, diese Instagram-Gewächshäuser in der eigenen Bude nachzustellen, muss für die meisten Menschen ohne Atelier oder zusätzliche Pflanzenlampen unweigerlich mit Komposthaufen in den dunklen Zimmerecken enden.

Zurück zu den Minderwertigkeitskomplexen. Ein zweiter Punkt sind die Töpfe. Ich nehme für gewöhnlich die stinknormalen Plastiktöpfe aus dem Baumarkt, denn sie haben den unschlagbaren Vorteil, dass man sie problemlos stapeln kann, wenn man wie wir eine Stadtwohnung mit Balkon und Kellerabteil bewohnt. Natürlich sind die schweren Terrakotta-Töpfe todschick. Aber die kann man eben oft nicht so platzsparend stapeln und die Raumwirkung der Sackkarre, die dann für die zentnerschweren Olivenbäume in Reichweite stehen sollte, ist eher so mäßig. Und was mache ich, wenn die Töpfe beim nächsten Umtopfen zu klein geworden sind? Miete ich dann eine Zweitwohnung an, um sie zu lagern, wenn ich keinen neuen Bewohner finde? Mittlerweile werde ich jedes Mal schon misstrauisch, wenn sich die Übertöpfe der Pflanzen perfekt in die Gestaltung der Inneneinrichtung einfügen. An der Stelle noch einmal die Frage: Wie machen die das?!? Gibt es irgendwo heimliche Terrakotta-Tauschpartys, zu denen ich keine Einladung erhalten habe, weil ich da wieder nur ungemütliche Fragen stelle?

Ein anderer Gedanke, der unweigerlich aufkam war: „Wie können die denn noch ihre Regale abstauben?“ Wahrscheinlich gar nicht, einmal durchgepustet muss auch reichen. Oder das macht jemand anderes. Ich, spießig und scheinbar gebeutelt mit einem Putzfimmel, mache mir über diese Dinge ersthafte Gedanken. Ein bisschen Realität ist doch ganz cool. Wir halten also an dieser Stelle fest, dass folgende Gegebenheiten einer glorreichen Instagram-Karriere im Wege stehen:

Ich kann in meiner Wohnung noch treten.

Ich bin Pragmatiker.

Läuft doch.

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