Das Pistazien-Drama

Zugegeben, mittlerweile habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu Pistazien. Nach gefühlten hundert Aussäh-Versuchen mit nur minimalem Erfolg gebe ich an dieser Stelle zu Protokoll, dass ich hier meinen Meister gefunden habe. Dabei fing es ganz harmlos an. Unter meinen ersten Aussaaten befanden sich auch immer vier bis fünf Pistazien, weil ich verständlicherweise dachte, dass es voll gut wäre, zwischen den anderen mediterranen Vertretern auch einen Pistazienbaum (Baum, nicht Strauch…) zu haben. In meinem Kopf wanderte ich schon selig lächelnd durch meinen zukünftigen Pistazienhain und fuhr regelmäßig riesige Ernten ein.

Nun ja, von den fünf Pistazien im Anzuchttopf sind vier sofort gestorben, eine hat noch ein kleines Blättchen an die Oberfläche gestreckt und ist dann zwei Wochen später eingegangen. Im zweiten Akt des Dramas wiederholte ich das Ganze einfach. Im dritten auch. Im vierten setzte eine gewisse Verbissenheit ein und die Samen wurden mit gemurmelten Drohungen, Schmeicheleien und Bittgesängen in die Erde gerammt. Meist bildeten die Pistazien auch eine ca. 10cm lange Pfahlwurzel, die dann jedoch nach ein paar Wochen braun wurde und das Ende des Keimlings besiegelte. Spätestens aber, wenn man den Keimling in einen größeren Topf umsetzen wollte, stellte dieser fast augenblicklich alle lebenserhaltenden Maßnahmen ein. Ich vermute, dass es an der Wurzel oft etwas zu feucht war und nasse Füße nicht zu den Wohlfühlfaktoren eines Pistazienbaumes gehörten.

Generell sollten die möglichst frischen Samen zunächst für zwei bis drei Tage in abgekochtem Wasser aufquellen, um sie anschließen mit der Schale so in die Anzuchterde aus Kokohum und Sand setzen, dass sie noch zur Hälfte herausragen. Dann sollte man um Mitternacht zum magischen Tümpel gehen und diverse Rituale bei Vollmond praktizieren, bis nach ca. sechs bis acht Wochen die ersten Keimblättchen sichtbar werden. Falls man darauf keine Lust hat, reichen auch ein vollsonniger Standort und wenig, aber kalkfreies Wasser. Und für die ganz pfiffigen Pflanzenfreunde unter uns: nein, es funktioniert nicht mit gerösteten und gesalzenen Pistazienkernen aus dem Supermarkt.

Beim meinem letzten Versuch, stellte ich das Gießen einfach komplett ein, nachdem sich das erste Blättchen bemerkbar gemacht hat und siehe da, der kränklich aussehende Stiel ist jetzt ca. 10cm groß. Ich hatte ja immer gesagt, dass ein ausführlicher Pistazien-Text kommt, sobald die 10cm-Marke geknackt wurde, da die Zeichen aber jetzt auf Stillstand stehen, ziehe ich das mal vor… Allerdings habe ich keine Ahnung, was ich jetzt wieder falsch gemacht habe. Vielleicht hätten wir uns lieber ein Haustier anschaffen sollen, das wäre pflegeleichter gewesen, als dieser Stiel. Bei diesem Exemplar traue ich mich auch nicht mehr, die Blätter genauer zu inspizieren, da sie vermutlich bei der kleinsten Berührung alle sofort abfallen und der Stiel dann zu Staub zerfällt. Ich werde weiter Mondscheinrituale vollführen.

 

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