Die Hochbeete: Eine erste Bilanz

Wir haben ja so das ein oder andere Pflänzchen in die Hochbeete verfrachtet und es ist Zeit, mal ein erstes Fazit abzugeben. Hier unsere drei wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Unser Balkon bekommt zu wenig Sonnenlicht. Eigentlich zeigt er Richtung Westen, jedoch ist diese Seite des Gebäudes momentan aufgrund von Bauarbeiten an der Fassade eingerüstet und mit einem Netz verhangen. Das Netz war natürlich schon da, als bei mir im Frühling die Pflanzwut ausbrach, aber ich redete mir ein, dass es den Balkon wohl nicht so stark abdunkeln würde. Jetzt weiß ich: doch, tut es. Außerdem hält es die Bienen vom Bestäuben ab. Die Tomaten beispielsweise blühen bis der Arzt kommt, die Früchte sind aber entweder gar nicht vorhanden oder sehr klein und geschmacklos. Von den Tomaten fühle ich mich aber sowieso ziemlich mies hintergangen. ich habe extra Sorten ausgesucht, die klein, buschig und somit für den Balkon geeignet sind. Was habe ich nun? Zwei Meter hohe Pflanzen, die meinen logistischen Fähigkeiten in Sachen anbinden und abstützen einiges abverlangen und meist trotzdem über den Balkon hängen als wären sie seekrank.
  2. Die Hochbeete trocknen zu schnell aus. Wahrscheinlich sind die Weinkisten auch einfach zu klein und die Feuchtigkeit verdunstet zu schnell. An den heißen Tagen überschwemmte ich zunächst alles, bevor ich zur Arbeit ging. Wenn ich abends wiederkam, sahen die Pflanzen trotzdem schon so aus, wie ich mich nach einem langen Tag fühlte. Die Erdbeerpflanzen vermittelten den Eindruck, als hätte sich direkt auf ihnen etwas Großes und vor allem Schweres niedergelassen und man hätte sie problemlos direkt in ein Herbarium verfrachten können. Ein paar Erdbeeren konnte ich ernten, sie waren allerdings klein und leicht deformiert. Meine bessere Hälfte hat trotzdem zuerst ganz begeistert gekostet. Sein Gesicht dabei: unbezahlbar. Die Beere verschwand im Mund und ich stellte mir vor, wie ein kleines Männchen hinter seinem Gesicht sämtliche Muskeln in der Mitte zu einem Knoten zusammenzog. Unfähig, seine Augen wieder zu öffnen, nuschelte er noch kurz „Die ist ja gar nicht süß…“ Merke: Wenn Erdbeeren scheiße aussehen, schmecken sie meist auch so!
  3. Zur Erinnerung: Das ist ein zu volles Hochbeet.

    Ja, ich war übermütig und habe vieles einfach zu dicht gesät bzw. gepflanzt. Es lief ja immer nach dem gleichen Prinzip: hier ein Körnchen und da noch ein Körnchen und …ups Tüte leer. Das Ergebnis war logischerweise, dass die Radieschen und Mairübchen mehr ins Kraut gingen, weil im Fußraum der Platz fehlte. Passiert mir nicht noch mal. Die zu dichte Bepflanzung begünstigt natürlich auch den Schädlingsbefall, aber wenn ich auf dem Balkon als Gegenmaßnahme Tierchen aussetze, sind die schneller beim Nachbarn als mir lieb ist.

Und was ist bisher wirklich gut gelaufen? Auf jeden Fall alle Arten an Kräutern, Salat, Rucola und Blattsenf. Hier konnten wir aus den Vollen schöpfen und ich habe als Herbstkultur noch einmal Feldsalat ausgesät. Und Blümchen. Die Kapuzinerkresse, die ich mal hier, mal da eingestreut hatte, ging nach wenigen Wochen direkt zum Angriff über und rankte dann sogar schon am Gerüst entlang.

Da der Knoblauch größtenteils abgetrocknet war, musste ich auch diesen inspizieren. Fröhlich befreite ich also die Knoblauchknollen aus der Erde, drehte mich um, riss dabei noch die hinter mir stehende Engelstrompete vom Hocker und hörte sogleich die lauernde Stimme aus der Küche: „Na, ist der Balkon etwas zu voll?“

Niemals!

Auch diese Knollen waren aufgrund der mangelnden Sonne recht klein, sodass ich auch gleich alle auf einmal in einer Soße verarbeitet habe. Kurzer Spaß, aber wir redeten uns ein, dass wir noch nie so tollen Knoblauch gegessen hatten.

Jetzt warte ich noch weiter auf die Tomaten, Chilis und ein paar Erdmandeln.

 

Sieht aus wie Unkraut, soll aber so: die verbliebenen Erdmandeln

Fazit:

  1. Für die Hochbeete braucht es andere Bewässerungsmethoden. Vielleicht sollte ich im Sommer auch einfach extra Gieß-Urlaub nehmen.
  2. Ich werde meiner besseren Hälfte verklickern, dass es eigentlich seine Idee war, das Gerüst inklusive Netz eigenhändig abzureißen.
  3. Hier ein Körnchen und da ein Körnchen und dann TÜTE WEGPACKEN.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.