Botanik in Barcelona

Hey ho, Freunde der gepflegten Fensterbepflanzung!

Nach einer längeren Pause melde ich mich mit neuen Geschichten aus dem Dschungel zurück – zuallererst mit einem Reisebericht. Meine bessere Hälfte und ich waren in Barcelona unterwegs und mussten natürlich auch hier den Botanischen Garten erkunden. Es war diesmal kein „Oh, sieh mal! Sind das etwa Gewächshäuser? Was für ein Zufall!“ sondern ein „Ja, es ist heiß, aber wir müssen trotzdem dahin!“

Zwischen den Pflanzen kann man ab und zu einen Blick auf das Olympiastadion erhaschen.

Der sogenannte „Jardí Botànic“ befindet sich am Fuße des Montjuïc, also nicht weit vom Schloss und dem Olympiastadion entfernt. Mit anderen Worten: Um den Garten besichtigen zu können, muss man ein kleines Stückchen bergauf. An sich ist die Strecke für einen Menschen mit normaler Kondition leicht zu schaffen, nur waren es an diesem Tag schwüle 30°C und unsere Füße waren schon durch vorherige Erkundungstouren in Mitleidenschaft gezogen. Und wir haben uns verlaufen. Mehrfach. Jeder andere Horst hätte unter diesen Umständen wahrscheinlich einfach die Seilbahn genommen, wir jedoch haben uns der Herausforderung gestellt und mit zu wenig Wasser und zu vielen Keksen als Wegzehrung den Berg zu Fuß erklommen. Aufgrund mangelnder Orientierung konnten wir so auch alle anderen Grünanlagen in der Gegend besichtigen. Man neigt hier dazu, auf den Hinweisschildern alle diese Grünanlagen auszuweisen. Alle bis auf den Botanischen Garten selbst. Als wir dann endlich den Eingang erreicht hatten, dachte ich schon, ich halluziniere. Die Dame am Ticketschalter fragte mich nach meinem Alter, was aufgrund meiner schlechten körperlichen Verfassung wohl nicht mal zu erahnen war. Ich wollte sie darauf hinweisen, dass ich für Alkohol definitiv alt genug war, aber es ging nur um eine Ermäßigung beim Ticketpreis. Sie glaubte mir nicht, denn in diesem Moment war ich einer Trockenpflaume näher als einem Menschen.

Der Eingangsbereich wirkte relativ modern, man sparte an Ästhetik und setzte vorwiegend auf Beton. Der Garten ist auch noch relativ jung, er wurde erst 1999 angelegt. Man konzentriert sich hier auf die mediterrane Flora, wir konnten also auf verschlungenen Pfaden die Vegetation des Mittelmeerraumes, Kaliforniens, Nord- und Südafrikas, Chiles und Australiens erkunden. Mein anfängliches Misstrauen angesichts der Betonkonstruktion legte sich, denn die ganze Anlage war wirklich schön angelegt, mit vielen Sitzgelegenheiten und Trinkwasserspendern, an denen man die eine oder andere Pause einlegen konnte. Ich bin auch immer wieder neidisch, wenn ich Pflanzen erkenne, die bei mir am Fensterbrett mühsam ums Überleben kämpfen und hier locker leicht eine Größe von ca. 5m erreichen. Meine Speicherkarten quellen über vor Palmen-Fotos. Und ja, ich weiß, die Urlaubsfotos anderer Leute sind anstrengend, deswegen greife ich hier nur auf ein Mindestmaß an Anschauungsmaterial zurück.

Der Garten will vor allem die unterschiedlichen Anpassungsstrategien der Pflanzen an hohe Temperaturen und Trockenheit herausstellen. Von Sukkulenten über Kakteen bis zu kleinblättrigen und dornigen Sträuchern ist hier alles zu finden. Vor allem die großen Agaven haben uns nachhaltig beeindruckt. Meine bessere Hälfte bewegt sich hier auch auf sicherem Terrain und kann das ungefiltert zugeben, denn er weiß ganz genau, dass wir für solche Exemplare in unserer Wohnung keinen Platz mehr haben. Es gibt also keinen Grund für Provokation.

 

Wirklich traurig war nur die Bonsaikollektion. Man folgte den Hinweisschildern bis zu einem entlegenen Gewächshaus. Man glaubte schon, man hat versehentlich den Weg zur Abstellkammer für die Gartengeräte eingeschlagen, bis man dann doch zu den kleinen Bäumchen gelangte. Aufgereiht wie in einer Ahnengalerie und umgeben von viel Rindenmulch und viel, nun ja, Raum. Deprimierend.

Danach betrachteten wir unseren Besuch dort auch als beendet und gingen auf Nahrungssuche. Alles in allem hat es sich aber doch gelohnt.

Fazit: Wir brauchen zuhause mehr Palmen.

 

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