Brennnesselsud – geschüttelt, nicht gerührt

Je mehr ich mich durch die Ratgeber- und Hobbygärtnerforen klicke, desto mehr glaube ich an Brennnesselsud bzw. –jauche als das Allerheilmittel schlechthin. Musste ich dann natürlich auch ausprobieren. Man kann es als natürliches Schädlingsbekämpfungsmittel oder auch als Dünger einsetzen. Wahrscheinlich auch als Haarwuchsmittel, Fleischgewürz oder Fugenversiegelung. Meine bessere Hälfte und ich tun also mal wieder so, als wären wir ganz normale Spaziergänger, die mit Handschuhen, Messer und zu vielen Tüten unterwegs sind. Am besten für den Sud eignen sich die jungen Triebe, geschnitten werden sollten sie im Mai vor der ersten Blüte. Wir sind natürlich viel später losgezogen und ich tat diesen Ratschlag als puren Aberglauben ab. Ich war schon froh, dass wir überhaupt Brennnesseln ohne Hundehaufen gefunden haben, man konnte da also nicht wählerisch sein.

Will man einen Sud ansetzen, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder setzt man einen kalten Aufguss an, bei dem man auf 1kg grob zerkleinerte Brennnesseln etwa 10l Wasser aufgießt und die Mischung 12 bis 24 Stunden stehen lässt. Danach siebt man die Pflanzenteile ab und kann die Mischung direkt unverdünnt verwenden. Wichtig dabei ist: die Mischung darf noch nicht gären! Kommt bloß nicht auf die Idee, eine richtige Brennnesseljauche auf eurem Balkon anzusetzen. Wenn der Sud erstmal gärt, stinkt es nach einer Mischung aus überfahrenem Faultier und liebestollem Skunk und ihr könnt alle eure sozialen Kontakte begraben. Bei einem heißen Aufguss kocht man die Mischung für ca. 30min auf, nachdem man sie einen Tag lang eingelegt hat. Wenn die festen Bestandteile abgesiebt sind, muss der Sud im Verhältnis 1:10 verdünnt werden, bevor er verwendet werden kann.

Trendgetränk 2020

Ich hatte mich für den kalten Aufguss entschieden und versprach mir von der Aktion einen blühenden, schädlingsbefreiten, wuchernden Dschungel in unserem Wohnzimmer und dachte bereits über die Anschaffung einer Machete nach, um annährend begehbare Korridore ins Grün zu schneiden. Und was hat es letztlich gebracht? Nun ja. Nichts. Die Spinnmilben erfreuen sich bester Gesundheit und die Machete hätte sich auch nicht gelohnt. Vielleicht muss ich die Prozedur mehrmals widerholen oder an einem weit entfernten Ort doch mal eine Jauche ansetzen. Oder die Brennnessel das nächste Mal einfach zum richtigen Zeitpunkt schneiden…

 

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