Licht, Luft und Liebe

Und natürlich Feenstaub und Glitzer. Nein Spaß, es geht heute um eine Pflanzengattung, die augenscheinlich nicht mehr braucht als Luft. Die Lebensaufgabe von diesen Luftpflanzen (oder Tillandsien) besteht wahrscheinlich darin, immer ein bisschen tot auszusehen (meine Kollegen und ich schwören auch auf diese Taktik) und Hobbygärtnern vorzugaukeln, sie wären ganz einfach zu kultivieren.

Man unterscheidet zwischen grünen und grauen Tillandsien, die grauen sind gut erkennbar an den kleinen, dichten Härchen, die auf ihren Blättern wachsen. Mit diesen können sie alle benötigten Nährstoffe aus der Luft filtern. Damit die Haarpracht auch gut gedeiht, dürfen sie auf keinen Fall mit kalkhaltigem Wasser in Berührung kommen, denn so verstopfen und verkleben die winzigen Poren und die Pflanzen können keine Nahrung mehr aufnehmen. Tillandsien vertragen sich mit Kalk etwa so gut wie der liebevoll gebundene Pferdeschwanz eines Schulmädchens mit dem Kaugummi vom Sitznachbarn. Wenn man prüfen möchte, ob sie tatsächlich noch leben, kann man einfach ein kleines Stück von einem Blatt abbrechen – von innen sollten sie noch frisch und grün aussehen. Falls tatsächlich ein Arbeitskollege die Tillandsien-Taktik anwendet, bloß nichts abbrechen! Der lebt mit hoher Wahrscheinlichkeit noch und man möchte doch keine unnötigen Konflikte heraufbeschwören.

Von den grünen Tillandsien können einige Arten auch im Boden wurzeln, die meisten sind jedoch Aufsitzerpflanzen, die lediglich Haftwurzeln ausbilden und vom tropischen Dschungel bis hin zu den Hochebenen und Wüsten Südamerikas überall vorkommen können. Durch die massenhafte Entnahme dieser Pflanzen sind einige Arten mittlerweile leider vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden, man sollte also beim Kauf darauf achten, dass es sich bei um Zuchtexemplare handelt. Im Baumarkt findet man sie oft auf dekorative Holzstücke geklebt. Das kann man mit einer Handvoll Pflänzchen natürlich auch leicht selbst machen, nur sollte man darauf achten, dass man den Heißkleber aus der Pistole kurz abkühlen lässt, sonst verbrennt sich auch eine hartgesottene Tillandsie mal den Hintern. Unsere Luftpflanzen-„Behausung“ sieht momentan so aus:

Die Palme kann sich die Photobomb natürlich nicht verkneifen…

Mein Liebling ist hier ganz klar das Spanische Moos (hat die Haare schön). Ist natürlich weder spanisch noch Moos, sondern wird eigentlich als Tillandsia usneoides bezeichnet und bringt gleich ein bisschen Dschungel-Feeling ins Wohnzimmer.

Ganz so anspruchslos, wie sie erscheinen, sind sie dann aber doch nicht: Tillandsien mögen helle Standorte, möchten ab und zu mit kalkfreiem Wasser besprüht werden und schätzen auch einen leichten Luftzug. Meist gehen sie ein, weil sie von ihren Haltern ertränkt werden. Je nach Luftfeuchte und Raumtemperatur reicht es meist völlig aus, sie ein- bis zweimal pro Woche zu besprühen. Sprühen, nicht duschen und auch nicht tauchen. Wenn im Winter allerdings die trockene Heizungsluft das Leben schwer macht, besprühe ich sie beinahe täglich. Kennt man ja. Föhnen begünstigt Spliss. Abgesehen von der Pingeligkeit, was das Wasser angeht, sind sie tatsächlich relativ unkompliziert. Man muss sie weder umtopfen, noch verschneiden und der Platzbedarf ist gering. Sie wachsen sehr langsam und blühen in unseren Breiten so gut wie nie, sodass sie mit der Zeit wirklich eher wie reine Dekoobjekte wirken.

Was immer hilft: Ab und zu mal abstauben. So, und jetzt nochmal ohne Palme:

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