Kevin hat ein Problem

Wir erinnern uns an Kevin, die Kannenpflanze, die zu Beginn des letzten Jahres zusammen mit den anderen Vertretern der Carnivoren-Gang in ein Terrarium umgezogen ist. Und ja, als ich andere Kannenpflanzen in den tropischen Ausstellungsräumen der Botanischen Gärten gesehen habe, dachte ich mir schon, dass es wohl ein bisschen eng werden könnte. Ist es jetzt auch. Lange wucherte er einfach glücklich vor sich hin, dann fing er an, Silas, der Schlauchpflanze, ins Handwerk zu pfuschen und nun terrorisiert er auch die Venusfliegenfallen („Oh, eine komisch geformte andere Pflanze, da leg ich doch glatt mal’ne Kanne ab!“). Schließlich hat er eine der Lampen erreicht, verbrennt sich seitdem mörderisch den Pelz, aber sieht es nicht ein, auch nur einen Zentimeter abzurücken. In der Mitte des Terrariums wächst jetzt sein kleiner Bruder heran, von dem ich eigentlich überzeugt war, dass er eingehen würde. Seine Kannen sehen noch klein aus, aber er postiert sie schon so, dass alle Bewohner bereits wissen, dass sie ihnen später mal tierisch auf den Sack gehen werden. Das wird mal ein ganz großer.

 

Ich musste also drastische Maßnahmen ergreifen. Zunächst habe ich den großen Kevin ein wenig gestutzt, um zu verhindern, dass er sich den letzten Rest Hirn sauber ausbrennt. Unverbesserlich wie er ist, kamen aber nach kurzer Zeit gleich zwei neue Triebe zum Vorschein, die dann auch sehr bald die Lampe wieder erreicht hätten.

Da ich keinen Platz für ein größeres Terrarium habe, muss er nun an die frische Luft. Wir haben also einfach einen Haken von außen angebracht und ihn dort angekettet. Zugegeben, das ist nicht die ästhetisch anspruchsvollste Lösung und ich habe auch immer noch nicht das Gefühl, dass ich diesen Kampf gewinnen kann, aber vorerst hatten wir (abgesehen vom Verschneiden) auch keine bessere Idee. Mal schauen, wie er jetzt so mit der viel trockneren Luft außerhalb des Terrariums klarkommt. Man muss jetzt nur im Vorbeigehen aufpassen, sonst kippt man versehentlich den Siff aus den Kannen aus und verteilt ihn sehr nachhaltig in der Wohnung. Klebt auch ein bisschen.

Er streckt mittlerweile sogar eine Kanne aus dem Lüftungsgitter des Terrariums und starrt damit die Wand an, was selbst für einen Kevin ein neuer Tiefpunkt in Sachen Wachstumsplanung ist. Ich schneide sie aber noch nicht ab, er wird schon sehen, was er davon hat. Ich habe nebenan eine Grünlilie postiert, deren Ableger jetzt ungefähr auf Kevin’s Augenhöhe baumeln und stelle mir vor, wie sie die Kanne in ihrer Schäm-Dich-Ecke mobben. Garstige Grünlilien.

 

Ich glaube, so richtig hat Kevin seine Situation noch nicht begriffen. Irgendwas ist anders, aber zum Teufel, er kommt einfach nicht darauf. Ein echter Kevin eben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.