Der Winter war hart

Ist der Winter einmal vorbei, kommt wieder Aufbruchsstimmung auf. Und das bedeutet ganz konkret: Alle einmal untenrum frei machen und umtopfen. Und Gedenkfeiern veranstalten für die, die es nicht geschafft haben. Durch die anhaltenden Bauarbeiten und die damit verbundene, zeitweise Vollverdunkelung hat dieser Winter unseren grünen Mitbewohnern deutlich mehr abverlangt als die Winter davor und auch die Pflanzenlampen konnten nur das Allernötigste am Laufen halten. Mit dem Ergebnis, das einige immer noch schmollen und mit konsequentem Laubabwurf reagieren.

Elfi, die Engelstrompete, hasst mich (das liegt auch an den lange nicht bemerkten Spinnmilben, Asche auf mein Haupt) und steht dafür jetzt wie ein mahnender Stinkefinger auf dem Balkon. Die soll sich erstmal abreagieren. Wenn sie von den Krokussen im Hochbeet nicht allzu schlimm gemobbt wird, wächst sie diesen Sommer vielleicht noch. Der Mandelbaum straft mich mit Verachtung und vom Kakao will ich gar nicht erst anfangen. Mit dem Olivenbaum rede ich momentan lange und viel, er braucht Zuneigung, sah aber zugegebenermaßen auch im letzten Frühjahr schon so aus. Blätter zeigten sich da nur sehr überschaubar.

Laura Limette, immer chic.

Ich will hier auch gar nicht zu viele vermeintlich tote Äste präsentieren, das deprimiert nur. Konzentrieren wir uns also auf die hoffnungsvollen Elemente: Zlatan, der Zylinderputzer hat mir verziehen und treibt wieder aus. Ist jetzt eher Busch als Stämmchen, aber ich will nicht auf Kleinigkeiten rumreiten. Laura, die Limette trägt jetzt einen Undercut, macht aber deutlich, dass sie diese Nummer so schnell nicht vergessen wird.

 

 

Bei der Kumquat muss man schon sehr genau hinschauen, aber ein kleines Zeichen reicht mir. Es sieht ein bisschen so aus, als wäre dieses eine Blatt ein Versehen gewesen. Ein Ausrutscher, wie ein Rülpser in der Öffentlichkeit, den man einfach nicht zurückhalten konnte. Aber nun ist es da und alle gucken. Wahrscheinlich windet sie sich innerlich, weil es ihr einfach so unglaublich unangenehm ist. Scheiße Mann, wie konnte das passieren?!?

Auch die psychisch labile und Schädlingsgeplagte Glyzinie dreht wieder voll auf. Die Krokusse können einpacken. Und die Dipladenien  machen mittlerweile sogar den Schmierläusen Angst. Bei dem Rudel Oleandestecklinge weiß man noch nicht, wohin die Reise gehen soll.

Hier zeigt bisher nur ein Vertreter ernsthafte Lebenszeichen und ich hoffe, er kann die anderen noch motivieren. Kleiner Streber. Auf den Fensterbrettern und auch auf dem Balkon versuche ich nunmehr geschickt, die als Brennholz getarnten Äste zwischen den noch grünen Palmen zu arrangieren, was mir gestalterisch einiges abverlangt. So ist es eigentlich ganz gut, dass zurzeit niemand zu Besuch kommen kann, nicht, dass die Leute auf die Idee kommen, bei mir wäre etwas eingegangen. Man hat ja einen Ruf zu verteidigen.

Die einzigen, die das ganze Trara überhaupt nicht die Bohne interessiert, sind wie immer die Zamioculcas. Sie sind den ganzen Winter über gewachsen, ach was rede ich da, GEWUCHERT. Zac ist mittlerweile in den größten Topf umgezogen, den ich im Baumarkt auftreiben konnte, hat einen fahrbaren Untersatz bekommen und kann wohl nie wieder in einem Stück in eine andere Wohnung umziehen. Wenn alle anderen jetzt auch wieder so wachsen, kann ich wieder über Platzprobleme jammern, anstatt über Lichtmangel, Schädlinge und Laubabwurf. Wunderbar.

 

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