Eine kleine Mooskunde

Es war mal wieder Zeit für einen Raubzug. Ich habe mir für die kommenden Wochenenden eine kleine Säuberung sowie Umgestaltung (wenn nicht gar Erweiterung) des Terrariums vorgenommen und das Einzige, was mir da zu meinem Glück noch fehlt, ist wie immer das Moos. Wir erinnern uns: Moos wirkt antibakteriell und speichert die Feuchtigkeit für unsere fleischfressenden Freunde ganz hervorragend. Das Problem ist nur, dass alle Ansiedlungsversuche im Terrarium bisher erfolglos verliefen. Selbst das Torfmoos konnte sich nicht zum Bleiben überwinden. Vielleicht wurde es auch von Fetti Fettkraut angepöbelt und wollte sich den Stress dann nicht mehr antun.

Mein naiver Plan sah also vor, dass wir uns mal wieder bewaffnet mit Tüte und Löffel im Park möglichst unauffällig unters gemeine Volk mischen und ein paar heimische Moose sammeln, denen ich dann das Terrarium schmackhaft machen kann. Natürlich wusste ich nicht, welche Moosarten dafür besonders geeignet sind, also sammelten wir einfach alles, was in dauerhaft feuchten Ecken zu wachsen schien. Zuhause angekommen wollte ich wissen, welche Arten wir aufgegabelt hatten und befragte das große, weite Internet. Ich meinte, vier Arten unterscheiden zu können. Während ich also nach vergleichbaren Bildern suchte und die Moosstücke auf meinem Schreibtisch lagen, kroch schon sämtliches Getier, welches sich bis dahin dort versteckt hatte in einer kleinen, aber wohlgeordneten Polonaise unter die Schreibtischunterlage.

Und ich wurde in Sachen Mooskunde eines Besseren belehrt. Ich lernte, dass man zwischen den Gruppen der Hornmoose, Lebermoose und Laubmoose unterscheidet, konnte jedoch keines meiner gesammelten Stücke eindeutig einer Art zuordnen. Da gab es das Goldene Frauenhaarmoos (der Vergleich ist kein Kompliment), das Endivienartige Beckenmoos (Kann man das essen?), das Gekräuselte Spiralzahnmoos (hat akute Dentalprobleme), das Gestreifte Schönschnabelmoos (Kreuzung aus Moos und Ziervogel?), das Gemeine Starknervmoos (fiese Nervensäge) oder auch das Häufchenfrüchtige Sternlebermoos (Ich kann nicht mehr). Ich wusste gar nicht, dass mooskundige Personen solch kreative Zeitgenossen sind. Ich war jedenfalls dankbar, dass bei vielen Arten und Unterscheidungsmerkmalen der Vermerk „Für den Laien nicht erkennbar“ hinterhergeschoben wurde. Da fühlte ich mich etwas besser. Mangels ausreichender Fachkenntnis nannte ich unsere Ausbeute einfach Torben, Sören, Karl-Heinz und Elfriede.

Sören

Karl-Heinz

Elfriede

Torben

Wenn es aber mal wieder eine Gelegenheit für eine Runde Galgenraten gibt, werde ich folgende Arten im Hinterkopf behalten: Verschiedenblättriges Kammkelchmoos (beinhaltet diverse Haushaltsgegenstände), Bach-Kurzbüchsenmoos (Und wenn die Büchse nun lang ist?), Sparriges Kranzmoos (piekt ein bisschen, aber als Deko trotzdem ok), Kleines Schiefmundmoos (ach Gottchen, was hat er denn nun noch alles?) und das Kriechende Schuppenzweig-Lebermoos (What the fuck?).

Fazit: Aus mir wird keine Mooskundlerin.

2 thoughts on “Eine kleine Mooskunde

  1. Hach, da muss ich doch gleich an das Referat „Moosmonitoring“ an der Uni denken, bei dem ich nie ankam weil der Zug unterwegs verreckt ist. Mann hätte ich das gerne gehört.

    Bin gespannt, ob du Glück mit dem Moos hast. Marco ist großer Moosfan und hat schon unzählige Male welches gestochen und (heimlich) in meinem Terrarium platziert. Ist nie was geworden. Vielleicht zu warm in der Wohnung? Hell und feucht war`s jedenfalls.

    Viele Grüße aus Oschatz. Vom Arbeitsplatz. Möp.

    1. Stimmt ja! Das Referat hätte mich wahrscheinlich vor gefährlichem Halbwissen bewahrt. Momentan schaue ich alle fünf Minuten nach, ob’s dem Moos noch gut geht und in einer Woche leiden Sören, Torben, Karl-Heinz und Elfriede unter Verfolgungswahn.

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