Ein Schaf auf dem Balkon

Da es mittlerweile absehbar war, dass die Bauarbeiten an unserer Hausfassade bald beendet sein und somit auch das Gerüst inklusive Netz verschwinden würden, wollte ich für die kommende Gemüseernte aus den Hochbeeten vorbereit sein. Im Baumarkt entdeckte ich einen großen Karton Langzeitdünger für Hochbeete. Perfekt. Das war genau das schwere Geschütz, was ich gesucht hatte!

Ich hatte ja schon Salat, Rucola, ein paar Kräuter und Radieschen ausgesät und wollte dem Ganzen nun einen ordentlichen Motivationsschub verpassen. Zuhause angekommen, war ich fest entschlossen, alles zu überdüngen, was sich mir in den Weg stellte.

Auf der Packung stand, man muss es vorher in die Erde bringen. Ah. Egal. Der Dünger sah ein bisschen aus wie Katzentrockenfutter und sollte tief in den Boden eingearbeitet und anschließend angefeuchtet werden. Als ich die Tüte öffnete, hatte ich erst einmal Tränen in den Augen. Meine Fresse, es roch nach Schaf und war nicht lustig. In Gedanken galoppierte eine penetrant blökende Schafherde an mir vorbei. Dementsprechend wurde es auch keine ausgedehnte Dünge-Zeremonie, sondern eine schnelle Katzenfutter-Verbuddel-Aktion. Jetzt noch schnell gießen und dann bloß zügig die Balkontür schließen (Hmmm, nasses Schaf…). Der Geruch hielt sich hartnäckig mehrere Tage und ich erwartete, dass bald jemand von Veterinäramt bei uns auftauchen würde, um zu fragen, von welchem Deich wir denn das Tier entwendet hätten.

Dem Salat schien es jedoch zu gefallen, er zeigte Ambitionen, die ersten zarten Rucolapflänzchen komplett zu überrollen. Mein Fazit fällt also durchaus positiv aus, Kräuter und Gemüse wachsen und gedeihen. Ein kleines Schaf sitzt immer noch auf dem Balkon – aber solange die Ernte schmeckt, lass ich es auch dort. Und wenn sich der Geruch komplett verziehen sollte, kann ich immer noch Brennnesselsud ansetzen…

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