Neue Mitbewohner

Es ist so weit, Kevin hat den Bogen eindeutig überspannt. Die Kannenpflanze breitet sich mittlerweile derart im Terrarium aus, dass ich sie unbedingt separieren muss, wenn ich nicht möchte, dass sie früher oder später alles platt macht. Ich beschloss also, dass es an der Zeit war, das Terrarium ein wenig umzugestalten und in dem Zuge auch zu reinigen. Kevin musste wieder in das kleine Gewächshaus umziehen, dessen Dachklappe jetzt permanent geöffnet bleibt, sodass er da schön abhängen kann. Je älter er wird, desto mehr Saukram hat er im Kopf. Zeitweise sondert er Nektar ab, der wunderbar an den Glaswänden des Terrariums kleben bleibt und auch gern mal den Fußboden garniert. Man wundert sich dann, warum den ganzen Tag die Socke klebt. Und auch sonst alles. Wenn man mit der Klebesocke dann längere Zeit an einem Ort verweilt, hat man wahrscheinlich auch ganz schnell eine Ameisenstraße hinter sich.

Auch Harry, der Sonnentau war einfach übermotiviert und musste dezimiert werden. Dafür ließ ich den ein oder anderen neuen Mitbewohner einziehen, um für ein wenig Abwechslung zu sorgen.

 

Da haben wir zum einen den Wasserschlauch (fortan „Wassily“ genannt), der zunächst erstmal gar nicht als Fleischfresser zu erkennen ist. Er fängt mikroskopisch kleine Tierchen mit seinen Saugfallen, die bei den an Land lebenden Arten unterirdisch vorkommen. Von den Schlauchpflanzen wird er nur akzeptiert, wenn er sich ruhig verhält und im Hintergrund die Anweisungen ausführt. Im Großen und Ganzen ist Wassily eher für ein unaufgeregtes Leben zu haben. Ein 9-to-5-Job, am Wochenende Picknick mit den Kindern und Kaffee bei der Oma reichen ihm völlig.

Und trotzdem: Für mich sieht es aus, als würden im Terrarium viele kleine, weiße Mäuse sitzen, die mir beleidigt den Rücken kehren.

Apropos Schlauchpflanze! Auch hier gibt es einen neuen Kandidaten.

Silas ist momentan schwer beleidigt und drückt aus Frust gleich mal eine Blüte raus, um zu zeigen, dass er es noch voll drauf hat. Der Neue besticht durch eine giftgrüne Färbung und lässt Silas, nun ja, etwas gedrungener wirken. Er stößt jetzt schon an der Decke des Terrariums an und fragt sich, ob er wohl seinen Kopf benutzen muss, um in die Freiheit zu gelangen. Nennen wir ihn Steve. Silas behält seinen pikierten Ausdruck bei, hat die Situation aber schon voll geblickt und überlegt jetzt, wie er den übergroßen Steve am besten benutzen kann. Kevin, die Faust, ist ja gerade außer Reichweite und so verlangt es ihm nach einem neuen Opfer.

 

Schöne Szene hier:

„Klopf klopf! Halllooooooo! Ich bin Steve. Und ihr so?“

„Will man EINMAL seine Ruhe haben…“

 

 

 

 

Ein ähnliches Problem emotionaler Natur hat auch Vicky, die Venusfliegenfalle:

Sie hatte sich bis dato liebevoll um ihre kleine Schwester gekümmert, ihr Äußeres ein wenig vernachlässigt und bekommt nun ebenfalls Konkurrenz. Und zwar in Form einer dunkelroten Kollegin, die ein wenig Farbe in das Ensemble bringen sollte. Und die Tussi blüht auch gleich, was fällt ihr eigentlich ein?! Mittlerweile normalisiert sich ihr Puls wieder, denn Vanessa, die Neue, scheint nicht rot zu bleiben, sonders passt sich brav an die örtlichen Gegebenheiten an und wird mit jedem neuen Blatt etwas Farbe. Woran das liegt, kann ich nicht sagen, vielleicht ist es zu warm oder die Lichtintensität ist immer noch zu gering? Ich werde den Fall beobachten.

Kommen wir zu zwei Neuzugängen, die uns in das nächste Level der Carnivorenpflege befördern: Steffen, der Sumpfkrug und Zorro, der Zwergkrug. Sieht man schon an den Namen, dass die nicht eng verwandt sind.

Der Sumpfkrug ist eher ein entfernter Cousin von Silas und hat seine Heimat in den Regenwäldern Venezuelas. Man vermutete, dass es sich um eine der ältesten Erscheinungsformen von fleischfressenden Pflanzen handelte, da die Form der Krüge noch stark an die ursprünglich zusammengerollten Blätter erinnert, in denen Wasser und Nektar aufgefangen wurden, um die Insekten anzulocken. Das ist mittlerweile nicht mehr ganz eindeutig, der Sumpfkrug ist wohl einfach ein Spätzünder mit einer sehr langen Entwicklungsgeschichte. Er stapelt erst einmal tief. Das verstehe ich. Er verträgt die Staunässe nur bedingt, mag es sehr hell und sucht für den extra Adrenalinkick ein deutliches Temperaturgefälle zwischen Tag und Nacht. Na mal gucken, wie das so mit uns beiden läuft.

Zorro, der Zwergkrug wiederum ist in Australien beheimatet und gehört zu den Grubenfallen, er teilt sich also ein paar Gene mit Kevin. Ich gehe jedoch davon aus, dass er nicht ganz so aufdringlich wird. Auch er schätzt eine sehr helle Umgebung und kann sowohl normale als auch Fangblätter ausbilden. Das große weite Internet hat mir verraten, dass man aus beiden Ableger ziehen kann, was ich jetzt natürlich sofort versuchen muss. Auf dass er doch noch aufdringlich wird. Der kleine Scheißer. Wird er kühl überwintert, färben sich die Krüge tiefrot. Vielleicht kann er dann Vanessa ein wenig unter die Arme greifen.

 

Und was eigentlich Fetti Fettkraut? Dem geht’s gut. Fetti ist im Flow.

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