Pflanzenbestimmung

Ja, wir haben es gewagt, in den Urlaub zu fahren. Wir waren gute zwei Wochen in den norwegischen Bergen, zwischen Fjorden und in dichten Wäldern unterwegs, weil dort naturgemäß weniger Menschen herumhufen als an den Stränden und in den Städten. Und als pflanzeninteressierter Mensch will man natürlich wissen, was die Botanik um einen herum so alles zu bieten hat. Gefühlt können die meisten Menschen heute zwar noch Baum von Strauch von Blümchen unterscheiden, aber dann hört es auch schon auf. Analog zur Frage: Was fuhr der Mensch denn für ein Auto? Ein rotes. Aha.

Man könnte jetzt ganz professionell an die Sache herangehen und ein Pflanzenbestimmungsbuch mitführen. Da gibt es die ganz dicken Varianten mit vielen bunten Bildchen, bei denen man eventuell die falsche Pflanze erwischt. Oder aber man nimmt den „Rothmaler“, bei dem man ohne ausreichende Erfahrung AUF JEDEN FALL bei der falschen Pflanze landet. In diesem Fall quält man sich ganz ohne Bilder von Merkmal zu Merkmal, von Seite zu Seite, hat am Ende die Pflanze komplett zerpflückt, die Staubblätter gezählt  und landet gefühlt immer bei der Breitblättrigen Platterbse. Will man im Urlaub aber nur fix ein wenig klugscheißen, sollte man sich schlichtweg vorher informieren. Das gilt übrigens auch für die heimischen Gefilde, denn die meisten Pflanzen, die uns in Skandinavien ins Auge gefallen sind, kommen auch hierzulande vor.

Mein Favorit ist diese hier: Das Schmalblättrige Weidenröschen. Es kommt tatsächlich auf der ganzen Nordhalbkugel vor, fällt mir aber immer nur in Skandinavien auf. Im Englischen wird es auch als „Fireweed“ bezeichnet, da es sich auf Lichtungen, die durch Waldbrände oder –rodungen entstanden sind, besonders schnell ausbreiten kann.

Auch gut zu wissen: es kann als Heilpflanze im Teeaufguss unter anderem Harnwegsbeschwerden lindern.

 

Allgegenwärtig ist auch die Blaubeere (unschwer zu erkennen im Titelbild): bei einem Waldspaziergang oder einer Wanderung zum Gletscher kann man glatt ein zweites Frühstück einlegen, so dicht wachsen die maximal kniehohen Blaubeersträucher. Die Blaubeere hat sich in ihrer Evolution mit einem Wurzelpilz zusammengeschlossen und kann so auch auf kargen Böden gedeihen. In den dichteren Waldgebieten Schwedens naschen übrigens auch Bären Beeren (was für ein Wortwitz). Man trifft sich aber so gut wie nie, da der eine eher laut und gesellig (Mensch), der andere aber leise und introvertiert (Bär) unterwegs ist und letzterer somit zügig das Weite sucht.

Apropos Gletscherwanderung: je näher man dem Eis kommt, desto karger wird die Vegetation. Und beim Bestimmen der Pflanzen sollte man sich mitunter etwas beeilen, denn Schafe finden’s dort meistens auch ganz cool.

Auch schön: der Wald-Storchschnabel

An den Wegesrändern im Tal wachsen meist noch Rainfarn, Disteln, Storchschnabel, n’bissl Sauerklee oder auch Glockenblumen, später wird das Ganze her dominiert von Birken, Weidenbüschen, den bereits erwähnten Blaubeersträuchern, Heidekraut und Flechten. Übrigens: die Birke ist einer der ersten Bäume, die vom Gletscher erodierte Gebiete zurückerobert. Quasi ein Frühaufsteher unter den Bäumen. Es ist also nicht mehr ganz so farbenfroh und man muss ein wenig genauer hinschauen. Beim genauen Hinschauen kann dann auch mal ein Lemming vorbeihuschen. Der huscht aber auch sehr schnell. So schnell, dass man sich bei einigen Tieren einbilden könnte, es wäre ein Lemming gewesen.

 

Wird es etwas mooriger, ist das Wollgras nicht zu übersehen. Es ist immer leicht zu erkennen, da es aussieht wie ein Wattebausch am Stiel. Will man es aus der Nähe betrachten, steht man auch gern mal knietief im Matsch. Wenn man dann versucht sich aus dem Schlamm zu kämpfen, stellt man fest, dass es sich gar nicht lohnt, da näher ran zu gehen, denn auch aus kürzester Entfernung bleibt es lediglich ein Wattebausch am Stiel.

Ebenfalls leicht flauschig blüht auch das Echte Mädesüß, welches ein bisschen an Holunderblühten erinnert und ganze Uferbereiche bevölkern kann. Es wird bei Rheuma und Gicht als Heilpflanze verwendet, ist jedoch auf den Äckern eher ein ungeliebter Gast, da es von den Weidetieren gemieden wird. Man kann sich also bei der Bestimmung Zeit lassen, da das Schaf einem nicht in die Quere kommt. Merke: auch hier kann man nasse Füße bekommen.

 

 

Natürlich habe ich hier nur wahllos die eine oder andere Pflanze herausgegriffen, man möge nun losziehen und alles bestimmen, was sonst noch so am Wegesrand wächst und eben auch ein bisschen Klugscheißen. Wichtig sind hierbei übrigens auch die vollständigen Bezeichnungen: Auf Distel kommt man ja vielleicht noch, aber Acker-Kratzdistel hebt das Kompetenzniveau doch deutlich. Profi wird man allerdings nur mit den lateinischen Bezeichnungen und der korrekten Familienzuordnung.

Also: Viel Spaß beim Klugscheißen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.