Die unerschütterliche Minze

Kräuter sind was Feines. Man kann ein Gericht allein dadurch retten, indem man z.B. ausreichend Petersilie darüber streut (und Parmesan, aber das ist’ne andere Geschichte) und auch das ein oder andere Getränk kann mit ein bisschen Grünzeug aufgewertet werden. Also im Klartext heißt das: für Cocktails braucht man Minze, also sollten wir ausreichend davon anpflanzen.

Die Geschichte meiner Minze begann in der Kräuterschale, zusammen mit der Zitronenmelisse und dem Oregano. Sie wurde zu groß, wurde zurückgeschnitten und war dann nicht nur groß, sondern nach kurzer Zeit schon wieder riesig. Also folgte die nächste Eskalationsstufe – das Hochbeet. Hier terrorisierte sie nun den Basilikum, Schnittlauch und eine übrig gebliebene Chilipflanze. War dann aber auch nix und nun hat sie einen ganzen Topf für sich allein.

Ich inspiziere das Hochbeet und sehe das:

Innerlich verabschiede ich mich jetzt vom Basilikum, denn die Minze ist quasi so etwas wie der  T-Rex unter den Kräutern. Sie macht alles platt. Ich erinnere an eine Szene aus Jurassic Park, in der die vor Angst gelähmte Ziege ins T-Rex-Gehege verfrachtet wird. Mein Basilikum ist diese Ziege und es ist nur eine Frage der Zeit bis die Minze zuschlägt.

Man kann sie durchaus über Samen vermehren, viel effektiver ist jedoch die unterirdische Vermehrung über Rhizome, also Wurzelausläufer, die dann in regelmäßigen Abständen austreiben und so eine lange Kette von Minzeablegern im Kräuterbeet hinterlassen. Mit anderen Worten: nur, weil man ihr oberirdisch den Pony gekürzt hat, heißt es noch lange nicht, dass den Rhizomen die Puste ausgegangen ist.

Eigentlich war der Plan ja auch, die Minze komplett in Einzelhaft zu stecken, nachdem sie schon die Zitronenmelisse auf dem Gewissen hat (äußerst perfide, denn die beiden sehen sich nicht unähnlich), aber ich habe hier schlampig gearbeitet und ein Stückchen Wurzel im Hochbeet vergessen. Und siehe da, der T-Rex lebt. An dieser Stelle auch: Schnittlauch, es war schön mit dir.

Die Minze steht grundsätzlich auf einen halbschattigen Standort und feuchtes Substrat, sowie regelmäßige Friseurtermine und ist ansonsten sehr pflegeleicht, also auch für Menschen, deren grüner Daumen manchmal leicht bräunliche Schattierungen aufweist, gut zu handhaben. Findet die Minze ihre Heimat im Garten, sollte man sich nur informieren, ob die auserwählte Sorte auch tatsächlich den Winter draußen übersteht (ein T-Rex ist schließlich auch nicht winterhart, also aufpassen!).

Für alle angehenden Minzezüchter, hier das Wichtigste nochmal zusammengefasst:

– Will man Minze umsetzen, sollte man ALLES ausgraben, auch die harmlos aussehenden Stöckchen, denn es könnte ein T-Rex daraus werden.

– Man kann nie so viele Cocktails trinken, wie die Minze Rhizome bildet, also sollte man mit einer sparsamen Bepflanzung anfangen.

– Pflanzt man sie im Freiland aus, kann man auch einen großen Kunststofftopf ohne Boden mit eingraben, dieser fungiert dann als Wurzelsperre und verhindert, dass das Raubtier gesellig wird.

– Oder einfach gleich ganz weit weg von allen anderen pflanzen, schließlich ist ein T-Rex in einer normalen Gesellschaft ja doch irgendwie immer ein Störenfried.

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