Trockene Spitzen

Die Bergpalme gehört ja bekanntlich zu den pflegeleichteren Kandidaten im heimischen Dschungel und so machte ich mir auch gar keine Sorgen um eventuelle Verluste, als wir für gute zwei Wochen in den Sommerurlaub aufbrachen. Zudem sah sich unser Exemplar während dieser Zeit mit einer Übermacht an Bewässerungskugeln konfrontiert, die dafür sorgten, dass der Ballen im Topf immer leicht feucht, jedoch nie zu nass war.

Tipp am Rande: Hat man gerade keine Bewässerungskugeln zur Hand, kann man auch schnöde Flaschen nehmen, ein kleines Loch in den Deckel bohren und diese dann umgedreht in die Blumentöpfe stecken.

Bei unserer Rückkehr wurden natürlich als erstes die grünen Mitbewohner inspiziert und siehe da: Bernhard, die Bergpalme hatte braune Spitzen bekommen! Das darf er nicht. NICHT ER! Ich entdeckte keine Schädlinge, was mich schonmal vor einem größeren Nervenzusammenbruch bewahrte. Die Erde war auch nicht vollständig ausgetrocknet. Könnte also an der zu geringen Luftfeuchtigkeit gelegen haben, da in unserer Abwesenheit niemand ausgedehnte Sprühorgien veranstaltet hat. Nach gründlicher Ursachenforschung kamen wir zu dem Schluss, dass die Palme einfach Sonnenbrand bekommen hat (ja, die können das). Bergpalmen fühlen sich an einem halbschattigen Standort wohl, unsere steht am hellsten Platz in der Wohnung, an einem Eckfenster Richtung Südost. Normalerweise garantieren die Bremerhavener Wetterverhältnisse hier durchaus einen perfekten halbschattigen Standort, aber wenn dann doch mal für längere Zeit die Sonne durchkommt (soll ja im Sommer passieren), ist es wohl zu viel des Guten.

Es ist im Grunde wie mit dem jährlichen Sonnenbrand: Natürlich cremt man im Hochsommer alles gewissenhaft ein, nur vergisst man dabei meist Ohren und Füße. Mit Schmor-Ohr und Brandsohle hat man dann einen ähnlichen optischen Effekt erzielt, wie diese Palme mit ihren trockenen Spitzen nach drei Wochen ungebremster Sonneneinstrahlung. Ich fühle mit ihr. Da hilft am Ende auch kein Abdeckstift, um sanftere Farbverläufe zu kreieren, man muss dem Ganzen die Zeit zum Heilen einfach zugestehen.

So haben am Ende einfach unser Raumwunder-Pflanzenregal und Bernhard die Plätze getauscht und alle sind wieder glücklich. Ich habe die braunen Blätter abgeschnitten, die Palme soll ja keinen unnötigen Hänseleien ihrer Mitpflanzen ausgesetzt werden und besprühe sie jetzt noch motivierter (ja, auch das geht…bis sich die Tapete wellt und die Spinnmilben lange Gesichter ziehen). Obwohl nach dem Urlaub durchaus mehrere Kandidaten ein wenig bedröppelt aus der Wäsche geguckt haben und das Kollektiv vielleicht auch einfach durch die gemeinsame leidvolle Erfahrung unserer Abwesenheit stärker zusammengewachsen ist.

Wahrscheinlich wird es jetzt darauf hinauslaufen, dass es einen Sommer- und einen Winterstandortplan für die Wohnung gibt, wobei für den Winter eben auch die Balkon-Rückkehrer eingeplant werden müssen. Das wird nicht leicht.

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