Herbstbepflanzung (Teil 1)

Es herbstelt und auf unserem Balkon zieht sich das Sommergemüse langsam zurück. Es werden also Stellplätze frei und das kann ich so natürlich nicht akzeptieren. Ich habe erstmal den größten freien Topf mit allerlei herbsttauglichen Pflanzen vollgestopft.

Fangen wir an mit dem Kandidaten, der so schön schweinelöckchenmäßig über den Topfrand hängt. Es handelt sich hier um eine Sedum-Art, welche genau, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass sie zur großen, glücklichen Familie der Fetthennen gehört. Fetthennen können praktisch alles. Sie sind wie der WG-Mitbewohner, der für jeden Blödsinn zu haben ist und zwischendurch auch noch dein Bier hält. Feuchtes oder trockenes Substrat, volle Sonne oder Schatten, Sommer und Winter, einfach alles. Wenn sie eine Weile vor sich hingewuchert haben, kann man sie teilen und so problemlos vermehren. Man hat dann quasi Fettküken. Teils wird Sedum auch als Mauerpfeffer bezeichnet, aber in Anbetracht der unkomplizierten Vermehrung finde ich die Legebatterie-Assoziation passender.

Ein weiterer, derzeit noch unscheinbarer Geselle in diesem Topf ist der Hauswurz (Sempervivum). Was klingt wie eine dominant vererbte Hautkrankheit, ist tatsächlich ein extrem pflegeleichtes Gewächs, welches auch unter schwierigen Wachstumsbedingungen jedes noch so unwirtliche Terrain besiedeln kann. Der Camper unter den Dickblättern ist ursprünglich in den Gebirgsregionen beheimatet, man findet ihn hierzulange aber meist auf Trockenmauern, als Dachbegrünung oder als dekorative Bepflanzung von kaputten Gegenständen, die normalerweise auf dem Müll gelandet werden, aber mit einer Hauswurzergänzung noch als Kunst durchgehen (à la: Waaaas? Deine überteuerte griechische Amphore ist zerbrochen? Krümel ein bisschen Erde drüber, pack’n Hauswurz drauf und stell‘ sie wieder zurück. Ein Eye-Catcher, der seinesgleichen sucht…). Ich habe die Rosetten anfangs geteilt und so auf dem ganzen Balkon eine stabile Hauswurz-Community aufgebaut. Sind aber alles die gleichen, vielleicht sollte ich für mehr Abwechslung noch ein paar Varianten in rot oder mit Haaren einstreuen. Die meisten Arten sind winterhart und vertragen auch die volle Sonne.

Etwas zickiger kommt hier schon die Strauchveronika oder auch Hebe daher. Sie kann es sich aber auch leisten, schließlich pilgern täglich Scharen von Insekten zu ihr, um ihr die erwartete Huldigung entgegenzubringen. Bei so schönen, klobürstenförmig verpuschelten, lilaleuchtenden Blütenständen werden jedem Falter die Knie weich (Haben die überhaupt welche? Nicht, dass meine Personifizierungen hier ausufern und ich mit anatomisch inkorrekten Anspielungen den Zorn sämtlicher Falter-Koryphäen heraufbeschwöre.). Oder es läuft ganz anders, man stelle sich mal folgende Szene vor: ein höchst motivierter Falter wird vom Duft der Hebe angezogen, ist aufgrund des starken Aphrodisiakums kurz orientierungslos, aktiviert sein Notfallprotokoll und landet erstmal auf dem Hauswurz. Die Enttäuschung kann man förmlich schmecken. Der Hauswurz wiederum kann sein Glück kaum fassen und lässt vor Schreck erstmal eine Rosette fallen.

Aber zurück zur Hebe. Sie hätte es gern warm und hell, aber um Gottes Willen nicht voll sonnig und zu heiß und fühlt sich in feuchtem, durchlässigem Substrat am wohlsten. Überwintern kann sie an einem hellen und kühlen Standort. Man sollte nur aufpassen, dass sie nicht Temperaturen unter -5°C ausgesetzt wird, denn dann ist aus die Maus. Die Hebe hat sich verhoben.

Auch unverzichtbar für die Herbstbepflanzung: das Heidekraut. Wissen wir aber mittlerweile, weil uns jedes aufdringlich gestaltete Baumarktregal darauf hinweist, dass man wohl in der Hölle schmoren wird, wenn man im Herbst nicht mindestens drei Sorten Heidekraut pflanzt (ich habe nur eine, ich alter Grenzgänger). In unseren ultimativen Herbsttopf ist eine hellgrüne Sorte eingezogen, die nunmehr wie ein Ertrinkender versucht, neben der fetten Fetthenne wenigstens ein paar Zweige über den Topfrand zu strecken. Bei ausreichend Platz ist aber auch das Heidekraut ein genügsamer Begleiter. Hält man den Boden gleichmäßig feucht, macht es auch fast alles mit.

Ganz zentral platziert sich unsere schöne Unbekannte. Sie fand als Pflanzgeschenkmitbringseldingsbums ihren Weg zu uns und wir wissen nun nach fast einem Jahr immer noch nicht, welcher Art wir sie zuordnen sollen. Im Winter trocknet diese Staude vollständig ein und zieht sich für eine Ruhepause ganz in die Erde zurück. Wenn man dann im späten Frühjahr glaubt, sein persönliches Frustrationsmaximum erreicht zu haben und in Gegenwart des immer noch unbegrünten Topfes schon erste Drohungen ausspricht, in denen das Wort „Mülleimer“ vorkommt, zeigen sich dann wieder ein paar kleine Triebe. Kurze Zeit später tut sie, als wäre nie was gewesen und rückt sogar die ein oder andere violette Blüte raus. Ist schon klar, manches braucht einfach ein bisschen länger.

Jetzt fehlt nur noch das Purpurglöckchen. Es spielt hier mal eine Runde Läusefänger, wahrscheinlich fühlt es sich etwas bedrängt und die anderen sind froh, dass sie den Schwarzen Peter abgeben konnten. Mit seinen dunklen Blättern ist es in diesem Topf eindeutig für die Kontraste zuständig, versagt jedoch kläglich (You had ONE job…), da die Fetthenne auch hier etwas anzüglich wird und das Purpurglöckchen früher oder später wohl überwuchert. Normalerweise sollte man sie recht tief einpflanzen, da sich andernfalls der Wurzelballen mit der Zeit nach oben schiebt. In meinem Fall wäre eine Erhöhung der Pflanze nicht das schlechteste, aber wahrscheinlich möchte das Purpurglöckchen gegenüber der Fetthenne nicht den Eindruck erwecken, es müsste etwas kompensieren und bleibt deshalb brav an seinem angestammten Platz.

Ende 1. Teil

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