Herbstbepflanzung (Teil 2)

Was brauchen wir denn noch so? Richtig, für noch mehr Herbstfeeling sind ein paar Gräser zwingend erforderlich. Außerdem liegen sie voll im Trend und geben jedem Beet ein wenig Struktur. Apropos Beet: da der Topf ja nun mehr voll ist, machen wir einfach in den Hochbeeten weiter. Ich stellte mir schon filigran gebaute, sanft im Wind wehende Büschel vor, aber die Realität sieht momentan so aus:

Von der Struktur her eher ausgedünnt, mehr eine hachelig auseinanderdriftene Ungemütlichkeit. Wie Haupthaar mit Pony, der es gewöhnt ist, in die Höhe gegelt zu werden und nun komplett formlos und anliegend zurückbleibt, wenn man an dieser Tätigkeit spart. Mit anderen Worten: ich kann es mir nicht erklären, warum die Gräser im Hochbeet lieber zur Seite wachsen als nach oben. Vielleicht kommt jede Nacht der Balkontroll vorbei, sitzt den Gräserhorst platt und freut sich einen feuchten Keks, wenn ich mir dann keinen Reim auf die Wuchsform machen kann. Aber gut, ich habe noch Hoffnung, der Herbst nimmt ja gerade erst Fahrt auf.

Da Wiederholungen Harmonie schaffen, kommen wir auch in den Hochbeeten nicht ohne Fetthenne, Hauswurz und Purpurglöckchen aus. Zwischen den Überbleibseln des Sommers, also dem Salat, der Petersilie oder auch dem Dill finden sich hier aber auch Neuzugänge wie das Köcherblümchen, auch Japanische Scheinmyrthe genannt. Oder Falsches Heidekraut. Oder Streichholzfuchsie. Oder auch Fledermausgesicht (kein Kompliment). Ich habe es mehr oder weniger als Lückenfüller gepflanzt und genauso verhält es sich jetzt auch. Es zeigt eine bemerkenswerte Charakterlosigkeit, wächst und blüht durchgehend. Keine trockenen Spitzen, kein Wuchern, nix problematisches. Vielleicht ist es eine Art Agentenblume, ein 007-Gewächs, welches sich erst möglichst unauffällig verhält und mir später alle Wuchsgewohnheiten und Alltagsgeheimnisse über alle jemals im Hochbeet gepflanzten Kollegen verraten kann. Ich weiß noch nicht, ob ich das gut finde. Wenn ich irgendwann auf dem Balkon mal mehrere Pässe finde und Konten in Panama aufdecke, schmeiß ich sie raus.

Ein Segen an Vorhersehbarkeit sind wiederum die Chrysanthemen. Auch ein Klassiker der Herbstbepflanzung. In allen Größen und Farben vorhanden, sind die meisten von ihnen winterhart und im Allgemeinen ziemlich anspruchslos. Eine Chrysantheme steht mit beiden Beinen im Leben, braucht keine Show und schon gar kein aufdringliches Purpurglöckchen neben sich (ihre Hoffnung, dass es zusammen mit dem Schnittsalat daneben auf dem Teller landet, hat sich kürzlich zerschlagen). Sie ist gefestigt und kann über die Wachstumsprobleme der Gräser nur lachen. Der Balkontroll kann ihr gar nichts. Die Blüten zeigen sich normalerweise in Schüben und putzt man die abgeblühten Reste aus, blühen sie bis weit in den Herbst hinein. Wichtig sind hier eine gute Drainage und eine regelmäßige Düngung.

Als aus dem hintersten Hochbeet der Knoblauch ausgezogen ist, ist die Kapuzinerkresse eingezogen. Eigentlich sollte die Kresse hier als Läusefänger eingesetzt werden, aber wie das Purpurglöckchen im Topf erfüllt auch die ihre Aufgabe nicht. Sie winkt nur alle Schädlinge zum Rucola durch, der gleich daneben sein Dasein fristet und zeitweise fast komplett abgefressen war. Wenn ich den erwische, der das war, dann brennt hier die Hütte. Ein Ende des Wachstums ist jedenfalls bei der Kresse nicht in Sicht und so langsam ufert es aus. Sie glaubt wohl, es wäre ihr Balkon. Klar, ist schon ok, nimm dir ein Bier, fühl dich wie zuhause. Begraben unter der Kapuzinerkresse finden wir nach langem Suchen noch einen Hauswurz (natürlich, was sonst), ein paar Vergissmeinnicht, die jedoch erst im nächsten Jahr so richtig aufdrehen, eine Chrysantheme (in dem Fall mit Minderwertigkeitskomplexen) und einen halbtoten Oregano, der so gar nicht auf nasse Füße steht. Alles perfekt kaschiert, würde ich sagen. Vielleicht gibt es demnächst aber auch mal Kressesalat. Oder Kapuzinerpesto (rein vegetarisch versteht sich).

Und noch ein letzter Hinweis, stellt euch einen mahnend erhobenen Zeigefinger vor: Viele der zur Saisonware degradierten Stauden im Baumarkt sind tatsächlich MEHRJÄHRIG, es gibt also keinen Grund die lebenserhaltenen Maßnahmen im Winter einzustellen. Findet ein dauerhaftes Plätzchen für sie, baut eure Frühblüher und Sommerstauden drum herum und passt auf, dass das Purpurglöckchen nicht doch noch im Salat landet.

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