Auf Expedition in Kiel

Meine bessere Hälfte hatte es für einige Zeit beruflich nach Kiel verschlagen und so ergab sich die Gelegenheit, mal im Botanischen Garten der Uni vorbeizuschauen. Wir mausern uns ja langsam zu heimlichen Testern botanischer Anlagen, da darf dieser nicht fehlen. Der Garten befindet sich direkt am Unigelände und ist sehr weitläufig gestaltet, inklusive Gewächshäusern und einem Alpinum.

Ein Blick auf das Alpinum

Im gut ausgestatteten Arzneigarten informierten wir uns erstmal umfangreich über alle Pflanzen, mit denen man sich berauschen oder vergiften könnte. Und darüber, was man essen kann, wenn man den Tag auf dem Klo verbringen möchte. Mittendrin fanden wir eine leere Stelle, an der laut dem Schildchen Safran wachsen sollte, was diese Stelle gleich zu einem sehr edlen Plätzchen machte. Das teure Gewürz wird aus den Stempeln des Safran-Krokusses gewonnen, der ein sehr wärmeliebender, pingeliger Genosse ist und im Herbst seine bläulichen Blüten zeigt. Wenn bei mir mal eine Ecke im Hochbeet freiwerden sollte, stell ich auch ein Safran-Schildchen auf. Mal gucken, wie die Reaktionen so sind.

Ein paar Meter weiter kamen die Gewächshäuser in Sicht, das Herz jedes Botanischen Gartens. Der Eintritt ist frei und wir begaben und auf den Rundgang durch die Vegetationszonen.

Den Anfang macht das Tropenhaus, wo die Kombination aus Temperatur und Luftfeuchte an einem sonnig kühlen Herbsttag zunächst für Schnappatmung sorgt. Sobald die Tür zu und die Brille beschlagen war, spielten wir eine Runde „Wer hat zuerst alle Jacken und Pullis ausgezogen?“ Aber ehrlich, ich liebe diese Sammelsurien an tropischen Pflanzen! Könnte ich zuhause diese Luftfeuchte halten, hätten wir schon längst einen Wohnzimmer-Dschungel.

In einer Ecke fand sich ein offenes Gehege mit Chinesischen Zwergwachteln. Die kleinen Vögel wuseln frei umher und unterstützen bei der Schädlingsbekämpfung. Was mich wiederum auf den Gedanken brachte, selbst ein paar Vögel auf der Fensterbank zu halten – ich würde nach Florfliegen, Raubmilben und Marienkäfern schlichtweg das nächste Level erklimmen. Muss nur aufpassen, dass dann nicht ab und an eine Grill-Wachtel im Ofen landet.

 

Im Nebelwaldhaus wartet vor allem eine Vielzahl von Farnen aus den tropischen Hochgebirgslagen. Die Luftfeuchte ist zwar unverändert hoch, aber man die erste Jacke schon wieder anziehen. Menschen, die sich morgens zufällig die Haare geglättet haben, stehen spätestens ab hier wieder mit Schweinslöckchen da. Aber keine Sorge, abtrocknen kann das Ganze dann im Mediterran- und Subtropenhaus.

Das Nebelwaldhaus
Ein Blick in das lichtere Mediterranhaus

Im Aridhaus kann man sich die Jacken dann auch wieder ausziehen. Hier waren die Gänge zwar vorhanden und fein säuberlich gepflastert, teilweise jedoch so mit Kakteen und Agaven zugewachsen, dass man sie nicht hätte passieren können ohne mindestens ein Auge zu opfern. Genau mein Humor. Auch die Schwiegermutterstühle waren äußerst beeindruckend. Obwohl ich niemandem eine Schwiegermutter wünsche, die diesen Kakteen gerecht würde.

 

 

Kevin Kannenpflanze

Und wer darf letztlich in keinem Gewächshaus fehlen? Richtig, der obligatorische Kevin, der in Kiel sein Zuhause im Victoriahaus gefunden hat. Neidisch war ich auch auf die Taro-Pflanzen. Mein Exemplar wirkt zwar motiviert und wächst gut, ist aber auch Homebase einer dauerhaft gesunden und expansionswilligen Thripse-Kolonie.

 

 

 

 

Wir haben uns mehrere Stunden im Botanischen Garten aufgehalten und dabei auch ein bisschen unsere eigenen Garten-Pläne weitergeträumt (Wachteln liegen jetzt im Bereich des Möglichen, ebenso wie Baumfarne in Gewächshäusern mit 100%-Luftfeuchte). Jede Ecke des Kieler Gartens zu beschreiben, würde hier eindeutig den Rahmen sprengen, ist man aber mal in der Region unterwegs, sollte man definitiv einen Abstecher in den Dschungel einplanen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.